FeedVergniaud (Pierre Victurnien)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Vergniaud (Pierre Victurnien), Girondistenführer, geb. 31. Mai 1753 zu Limoges, ließ sich 1781 zu Bordeaur als Advokat nieder und trat 1790 in die Verwaltung des Girondedepartements, das ihn 1791 zum Deputierten in die Gesetzgebende Versammlung wählte. Eifrig der Revolution ergeben, mit hinreißendem Rednertalent ausgerüstet, ward er in der legislativen Versammlung einer der Führer der Bewegungspartei, die meist aus seinen Landsleuten bestand und deshalb den Namen der Girondisten (s. d.) erhielt. Sein erster oratorischer Triumph war eine Rede gegen die Emigrierten am 28. Okt. 1791. Als nach dem Sturz Delessarts seine Partei, die den Krieg mit den deutschen Mächten heraufbeschworen hatte, Sitz im Kabinett erhielt, den sie jedoch mit Dumouriez teilen mußte, unterstützte er sie in der Nationalversammlung und leitete als sich der Hof der revolutionären Minister im Juni entledigte, die neuen Angriffe, besonders durch sein Auftreten gegen Lafayette am 18. Juni. Auch in die Ereignisse des 20. Juni war er verwickelt; er war Mitglied der Deputation, die ins Schloß gesandt wurde. Die neuen Angriffe der Gironde gegen den Hof, darauf berechnet, ihn mürbe zu machen, nicht erade ihn zu beseitigen, fanden in V.s oratorischem Talent die wirksamste Förderung; die Revolution vom 10. Aug., wo er das Präsidium hatte, führte aber schon über ihn und die Seinigen weit hinweg. Es war ein Versuch, die Bewegung zu hemmen, wenn er statt der Absetzung, auf die Robespierre hinsteuerte, die provisorische Suspension des Königs durchsetzte. Bei den Mordthaten im September war auch sein Leben bedroht. In den Konvent gewählt, suchte V. in meisterhaften Reden denselben König vor dem Schafott zu sichern, den er dann, um sich selbst zu retten, mit den andern zum Tode verurteilte. Er war Präsident der Versammlung bei der entscheidenden Abstimmung, deren Resultat er selbst zu verkündigen hatte. Nach der Hinrichtung des Königs begann V. mit seinen Parteigenossen den Kampf gegen Robespierre und dessen Anhang, der mit dem Sturz der Gironde endete, so glänzend auch V. wiederholt sein Rednertalent entfaltete. Nachdem 2. Juni das Dekret zur Verhaftung der Girondisten durchgegangen, fand V. Schutz bei einem zu Paris ansässigen Bürger von Avignon. Nach zwei Tagen trieb es ihn jedoch zu seinen jungen Freunden Ducos und Fonfröde, die vom Haftsbefehl noch ausgenommen waren; bei diesen wurde er alsbald verhaftet. Der Prozeß, der 24. Okt. 1793 vor dem Revolutionstribunal begann, endete mit seiner Verurteilung. V. bestieg 31. Okt. mit 20 Schicksalsgefährten das Schafott, wo er als der vorletzte sein Haupt unter das Beil legte. Barthe nahm viele seiner Reden in dem Sammelwerke Les orateurs françaiso (4 Bde., Par. 1820) auf. Vgl. die Bio-Garehie V.s von Touchard-Lafosse (Par. 18⁴⁸); Vatel, Recherches historiques sur les Girondinso (2 Bde., Par. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 207Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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