Vindelicia, ursprünglich das Land der wahrscheinlich zur kelt. Völkergruppe gehörigen Vindeliker, die in mehrern Stämmen, den Brigantiern im Westen, den Runicaten im Norden und mehr nach Süden den Consuanten u. a. m., und den Licates mit der Bergfestung Damasia (jetzt Hohenembs), vom Lech (Licus) bis zum Inn und von den rhät. und bayr. Alpen bis zur Donau wohnten. Sie wurden 15 v. Chr. zu derselben Zeit, wo des röm. Kaisers Augustus Stiefsohn Drusus Rhätien (s. d.) unterwarf, von dessen Bruder Tiberius überwältigt, der zuerst die Stämme zwischen Lech und Bodensee (Lacus Brigantinus), namentlich die Estiones mit der Stadt Campodunum (Kempten) und die Brigantii mit Brigantium (Bregenz), besiegt hatte. Doch brauchten die Römer den Namen V. nicht zur statist. Bezeichnung, sondern das ganze Land zwischen Bodensee, Donau und Inn wurde, als es zusammen mit Rhätien als röm. Provinz organisiert, zu der zuerst durch einen Prokurator pro legatob, seit Mare Aurel durch einen Proprätor, seit Diocletian durch einen Präses regierten Provinz Raetia geschlagen; auch in nachkonstantinischer Zeit, als es eine besondere Provinz wurde, hieß es fortwährend Raetia, nur mit dem Zusatz secunda. Nach der Unterwerfung hatte Tiberius einen großen Teil der jungen Mannschaft weggeführt; unter den Zurückgebliebenen wurden Römer angesiedelt und röm. Besatzungen erhielten an verschiedenen Punkten ihren Standort. Der bedeutendste Ort war Augusta Vindelicorum, das heutige Augsburg, das frühzeitig emporblühte. Unterhalb des im 2. Jahrh. nördlich vorgelegten „Limeso wurde die Linie der Donau durch starke Festungen geschützt; so zuerst Reginum, Regina Castra (Regensburg, im 7. Jahrh. Ratisbona), dann Serviodorum (Straubing) und Bojodurum, das als Standort einer batav. Kohorte den Namen Oastra Batava (daher später Passau) erhielt. Nach dem Sturz der röm. Herrschaft nahmen Bayern das Land östlich, Sueven und Alamannen das Land westlich vom Lech in Besitz.