Vitellius (Aulus), röm. Kaiser 69 n. Chr., Sprößling einer altpatricischen Familie und Sohn des Lucius V., der dreimal Konsul war, wurde 15 n. Chr. geboren. Schon als Knabe in das wüste Leben des Tiberius auf Capreä hineingezogen, teilte er die Vorteile wie die Schmach eines Günstlings des Caligula, Claudius und Nero. Als Galba 68 Kaiser wurde, schickte er den V., von dem er, als einem würdelosen Schlemmer, nichts fürchtete, als Statthalter nach Niedergermanien. Allein die Legaten des V., Cäcina und Valens, brachten diesen dazu, die Unzufriedenheit des german. Heeres mit Galba zu benutzen und sich von den Soldaten zum Kaiser ausrufen zu lassen. Dies geschah zu Anfang 69. Als sodann 15. Jan. Galba ermordet war, wurde, ehe noch die Kunde von des V. Erhebung nach Rom gekommen, Otho hier erhoben und gewann den größern Teil des Reichs, den Süden und Osten für sich. Allein die Kriegführung entschied für V. Seine zwei Legaten, Cäcina und Valens, gewannen, während V. selbst noch in Germanien blieb, eine Schlacht zwischen Bedrigcum und Cremona, infolge deren sich Otho 20. April tötete. V. konnte nun Mitte Juli in Rom einziehen. Doch bereits hatte der Osten an Othos Stelle den Vespasian ihm gegenübergestellt. Die Heere von Pannonien und Mösien, die schon von Otho nach Italien gerufen waren, schlugen in einer zweiten Schlacht bei Cremona die Vitellianer und drangen darauf rasch gegen Rom vor. Hier hatte indessen V. in kurzer Zeit ungeheuere Summen verpraßt. Als die pannonischen Legionen unter Antonius sich Rom näherten, flüchtete V. in den kaiserl. Palast auf dem Palatin. Darob kam es zum Kampf der ihm treu gebliebenen Truppen mit den in Rom befindlichen Anhängern des Vespasianus, die sich auf das Kapitol geflüchtet hatten. Dieses wurde den Tag darauf gestürmt, wobei es in Flammen aufging und die Anhänger Vespasians großenteils niedergemacht wurden. Am 22. Dez. drang indessen Antonius in Rom ein, und V., der sich versteckt hatte, wurde aufgegriffen und fand einen schmählichen Tod.