FeedVölk (Jos.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Völk (Jos.), deutscher Abgeordneter, geb. 9. Mai 1819 im schwäb.⸗bayr. Weiler Mittelstetten bei Augsburg, studierte 1838 —42 in München die Rechte und begann die praktische Laufbahn bei bayr. Gerichten und Anwälten. Nachdem er 1855 Advokat geworden, wurde er in demselben Jahre in die bayr. Abgeordnetenkammer gewählt, deren Mitglied er seitdem ständig blieb. Zur Zeit der deutschen Reformprojekte und der Bildung des Nationalvereins (1859) gründete V. in Bayern in Verbindung mit Marquard Barth und Brater eine deutsche Partei, stellte 14. Aug. 1859 in der Kammer einen Antrag wegen Reform der Deutschen Bundesverfassung, der aber keinen Erfolg hatte, beteiligte sich dann lebhaft an den deutschen Abgeordnetentagen und war auf dem zu Frankfurt a. M. 20. Mai 1866 Referent in der Frage der Neutralität der deutschen Mittel⸗ und Kleinstaaten. Am 22. Okt. 1867 befürwortete er in der Kammer der Abgeordneten die Genehmigung des Zollvereinsvertrags und zog im Zollparlament durch seine, 18. Mai 1868 den süddeutschen Partikularisten zum Trotz gehaltene Rede über das Verhältnis zwischen Süd⸗ und Norddeutschland die Aufmerksamkeit auf sich. In der zweiten Session des Zollparlaments (Juni 1869) war B. einer der Gründer der freien süddeutschen Vereinigung „Zur Mainbrücke und verteidigte in den folgenden Jahren bei vielen Ge—⸗ legenheiten in der bayr. Kammer der Abgeordneten die Idee eines Nord und Süd umfassenden bundesstaatlichen Deutschland. Im Reichstag 1872 beantragte er die Einführung der obligatorischen Civilehe. Mit der nationalliberalen Partei, zu deren hervorragendsten Vertretern er gehörte, geriet er bei der Beratung des Zolltarifgesetzentwurfs 1879 in Konflikt, infolge dessen er aus der Fraktion austrat und sich an die Spitze einer zwischen den Nationalliberalen und der Deutschen Reichspartei stehenden Gruppe (Völk-Schauß) stellte. Im J. 1881 lehnte er eine Wiederwahl ab und starb 22. Jan. 1882 in Augsburg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 320Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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