Waagen (Gust. Friedr.), verdienter Kunsts chriftsteller, geb. zu Hamburg 11. Febr. 1794, fand schon in dem Hause seines Vaters, eines unter J. H. Tischbein dem Altern gebildeten Malers, für die bildende Kunst reiche Nahrung. Auf seine Geschmacksbildung wirkte der mit der Schwester seiner Mutter verheiratete Dichter Ludwig Tieck bestimmend ein. Die Feldzüge gegen Frankreich 1813 und 1814 machte W. als Freiwilliger mit und hörte dann in Breslau besonders philol. und histor. Vorlesungen, Er hielt sich dann in Dresden 1818 und in Heidelberg 1819 auf. Eine Kunstreise durch die Niederlande, ein dritthalbjähriger Aufenthalt zu München erweiterten den Kreis seiner Kunstbildung. Seiner Abhandlung «über einige in der königl. Sammlung zu München befindliche ägypt. Mumien (Münch. 1820) ließ er die Schrift aüber die Maler Hubert und Johann van Eyck» (Bresl. 1822) folgen. Infolge derselben wurde W. 1823 nach Berlin berufen, um an der Gründung des Museums teilzunehmen. Er trat in ein engeres Verhältnis zu Schinkel, mit welchem er 1824 die erste, nur kurze Reise nach Italien machte. Im J.1832 als Direktor der Bildergalerie des Neuen Museums angestellt, arbeitete W. zuvörderst den Katalog derselben aus. Als die Frucht einer Reise nach London und Paris erschien von ihm Kunstwerke und Künstler in England und Paris » (3 Bde., Berl. 183739). Er wurde 1844 zum Professor an der königl. Universität für das Fach der Kunstgeschichte ernannt. Inzwischen veröffentlichte er Kunstwerke und Künstler in Deutschlando (2 Bde., Lpz. 1843—45). Auch erschienen von ihm in Raumers „Histor. Taschenbucho die Abhandlungen über a Rubens⸗ (1833) und über «Andrea Mantegna und Luca Signorelli o (1850). Unter dem Titel The treasures of art in Great-Britaino (3 Bde., Lond. 1854; Supplementband 1857) gab er eine beträchtliche Erweiterung des obengenannten Werks heraus. In den J. 1861 und 1862 vom Kaiser von Rußland nach Petersburg berufen, ließ er als Ergebnis seiner dortigen Studien die Schrift Die Gemäldesammlung in der kaiserl. Eremitage in St. Petersburge (Münch. 1864) erscheinen. Dieser folgte das Werk «Die vornehmsten Kunstdenkmäler in Wien (2 Bde., Wien 1866—67). Infolge einer Studienreise nach Spanien im Herbst 1866 teilte er in Zahns Jahrbüchern für Kunstwissenschaft» (Bd. 1, Lpz. 1868) seine Bemerkungen über die wichtigsten dort befindlichen Bilder der verschiedenen Malerschulen mit. W. besuchte 1867 nochmals Paris und erstattete, wie er es bereits 1862 für London gethan, amtlich Bericht über die bildenden Künste auf der damaligen Weltausstellung. Er starb auf einer Reise in Kopenhagen 15. Juli 1868. Seine «Kleinen Schriften e wurden von A. Woltmann (Stuttg. 1875) gesammelt herausgegeben und mit einer Biographie begleitet.