FeedWachsmalerei
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wachsmalerei, nicht gleichbedeutend mit Enkaustik (s. d.), d. i. Einbrennung, bezeichnet die Benutzung des Wachses entweder als Bindemittel der Farben oder bloß als Befestigungsmittel nach geschehenem Auftrag. Die antike Technik der W. ist seit dem 6. Jahrh. n. Chr. verloren gegangen. Die antiken Schriftsteller, namentlich auch Plinius, haben über den Gegenstand nur dunkle Andeutungen. Auch im Mittelalter wurden, wenn nicht Wachs, doch aufgelöste Harze fortwährend teils als Bindemittel der Farben selbst, teils als Bestandteil der Firnisse gebraucht. Versuche zur Wiederentdeckung der antiken Technik machte der span. Maler Velasco (1715—20), indem er die Oberfläche glättete. Um die Mitte des 18. Jahrh. glaubten der Graf Caylus, Bachelier und Majault, jeder auf verschiedene Weise, dem Geheimnis auf der Spur zu sein. Im 19. Jahrh. trat die Diskussion über die W. von neuem in den Vordergrund mit der Schrift des Professors Roux in Heidelberg: Die Farbenv (3 Hefte, Heidelb. 1825—29), und mit den von ihm gefertigten enkaustischen Gemälden. Roux glaubte das Wachs in ein Bindemittel verwandelt zu haben, welches das Ol vollständig ersetzen würde und ihm an Dauer weit vorausstände; auch hielt er seine übrigens geheimgehaltene Methode für die der Alten. Ihre übelstände waren der Mangel an Kraft und Harmonie in den Farben und an einem entsprechenden Grunde, mit welchem die Farben zu einem festen Ganzen sich hätten verbinden können. Bald darauf trat M. P. de Montabert in seinem Traité complet de la peinture (9 Bde., Par. 1829—30) mit einer neuen Methode für die Wandmalerei hervor. Sein Bindemittel war ein aus Wachs gezogenes, langsam sich verflüchtigendes Ol, vermischt mitjKopalharz und etwas flüssigem Wachs. Diese Technik wurde unter anderm bei der Restauration einiger alter Fresken in Fontainebleau angewendet. Ein ähnliches Verfahren wurde auf Klenzes Anregung seit 1883 bei den Malereien im Königsbau zu München beobachtet. Hier bestand das Bindemittel, welches dann noch einmal als Firnis über das Gemälde gezogen wurde, aus Dammarharz, Terpentinöl und Wachs: auch der Grund war schon mit einer Wachsauflösung getränkt. Die Farben ließen sich sehr gut behandeln und behielten eine große Intensität; nur läßt sich dabei ein gelblicher Ton und ein zu starker Spiegelglanz tadeln. Während Merimée (De la peinture à l'huile, Par. 1830) in den Gemälden des 15. Jahrh. ein aus Olen und Harzen gemischtes Bindemittel nachzuweisen suchte,‚ ging Knirim in seinem Werke «Die Holzmalerei der Alten » (Lpz. 1838) so weit, für die ganze antike und mittelalterliche Malerei ein Bindemittel von flüssigem Harz, ähnlich dem Kopaivabalsam, aufstellen zu wollen und dasselbe, mit ½ Wachs verbunden, zum Gebrauch zu empfehlen. Die Ehre der Erfindung gebührt übrigens Lucanus in Halberstadt, der schon 1833 den Kopaivabalsam, aber unvermischt, als Ersatz des Ols nachgewiesen hatte. Inzwischen hatte der münchener Maler Fernbach (gest. 1851) ein neues, von den Angaben der Alten völlig abstrahierendes Verfahren aufgestellt, welches in den verschiedenen Wandgemälden in München sich am meisten bewährt hat. Sein Bindemittel besteht aus Auflösungen fester Harze mit Verdünnung durch Terpentinöl, das sich gleich nach dem Auftrage verflüchtigt. Sowohl der Grund als das vollendete Bild werden mit enkaustischen Massen getränkt und eingeschmolzen, sodaß die Farben von hinten und von vorn gesichert sind. Später bildete sich der Maler Eichhorn in Berlin (Die Wandmalerei in einer neuen Technik »,„ Lpz. 1853) ein eigentümliches Verfahren für Ausführung von Wandgemälden, wobei das Wachs eine Hauptstelle einnimmt. Dieses Verfahren wandte er bei mehrern in den Schlössern von Sanssouci bei Potsdam angefertigten Gemälden an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 358Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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