Wahlbrüderschaft, serb. pobratimstvo, ist ein bei den Südslawen bestehender Gebrauch, wobei sich zwei Jünglinge oder Mädchen das Gelübde geben, treu und innig wie leibliche Brüder oder Schwestern zusammen zu leben. Gewöhnlich geschieht dies am Ostermontag, und wenn sich das ganze Jahr hindurch das eingegangene Verhältnis nicht gelockert, so wird dasselbe am folgenden Ostermontag erneuert und in der Kirche durch den Priester eingesegnet. Fortan übernehmen die Wahlbrüder oder Wahlschwestern die natürlichen Pflichten eines Familienbandes bis an das Ende des Lebens. Von den Südslawen nahmen diesen Gebrauch die Griechen an, bei welchen er in großem Ansehen besteht.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 381Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei