Wärme nennt man die Ursache derjenigen Erscheinungen in den Körpern, welche außer der eigentümlichen Reaktion der W. auf unsere Hautnerven (Empfindung der W.) entweder als Anderungen des Volumens (Ausdehnung) oder Anderungen des Aggregatzustandes der Körper (Schmelzen oder Verdunstung), oder Lichterscheinungen (Verbrennung) äußerlich wahrnehmbar sind. Die durch W. erregten Lichterscheinungen nennt man gewöhnlich Feuer, besonders wenn die Lichterscheinung unter gleichzeitiger Bildung einer Flamme (s. d.) vor sich geht. Die Ausdehnungen, welche die verschiedenen Körper durch die Erhöhung ihrer Temperatur um eine gleiche Anzahl Grade, z. B. vom Gefrierpunkte bis zum Siedepunkte des Wassers, erleiden, sind sehr verschieden. Am geringsten sind dieselben bei den flüssigen und am größten bei den gasförmigen Körpern, welche letztere übrigens alle nahezu gleich stark ausgedehnt waren, nämlich um 0,3665 oder ½73 ihres Volumens bei Erwärmung von 0 bis 100e. Mißt man bei einem Stabe nur durch die W. eingetretene Vergrößerung seiner Länge, so heißt diese Ausdehnung die lineare, im Gegensatz zu der kubischen Ausdehnung, bei welcher die Vergrößerung des Volumens nach allen Richtungen in Betracht gezogen wird. Bei flüssigen und gasförmigen Körpern ist stets nur von der kubischen Ausdehnung die Rede. Man benutzt die Ausdehnung der Körper zu Thermometern (s. d.) oder Pyrometern (s. d.), d. h. zu Vorrichtungen für die Bestimmung des vorhandenen Wärmezustandes oder der Temperatur. Die ungleiche Ausdehnung der Körper durch die W. liefert ein Mittel, um den störenden Einfluß der Temperatur auf den Gang der Uhren zu beseitigen (Kompensierte Uhren). Soll eine gleiche Gewichtsmenge verschiedener Substanzen um eine gegebene Anzahl Temperaturgrade erhitzt werden, so sind dazu ungleiche Wärmemengen nötig. Diejenige Wärmemenge, welche die Gewichtseinheit eines Körpers braucht, um ihre Temperatur (ohne Anderung ihres Aggregatzustandes) um 1 zu erhöhen, heißt die spezifische Wärme oder Kapazität der Wärme (Entdecker Jos. Black 1760—65, Wilke 1772, Crawford 1774) dieses Körpers. Setzt man die speznische W. des Wassers - 1, so ist z. B. die spezifische W. des Eisens 0,11, des Goldes 0,03, d. h.: wenn man, um 1 kg Wasser von 0 auf 1 zu erwärmen, die Wärmemenge 1 gebraucht, so ist die Erwärmung eines Kilogramms Eisen von 0 auf nur die Wärmemenge ½o und für eine gleiche Erwärmung eines Kilogramms Gold nur die Wärmemenge oo nötig. Bei den Gasarten sind zwei verschiedene spezisische W. zu unterscheiden, je nachdem man bei der Erwärmuug das Gas durch Anderung des Drucks auf einem konstanten Volumen, oder durch Gestattung einer Ausdehnung lalso einer Anderung des Volumens) unter konstantem Drucke erhält. Die im zweiten Falle bestimmte spezifische W. (bei konstantem Druck und veränderlichem Volumen) ist stets größer als die im ersten Falle (unter veränderlichem Druck und konstantem Volumen). Hierdurch erklärt sich die Erscheinung, daß bei dem Zusammenpressen von Gasarten die Temperatur sich erhöht, beim Verdünnen dagegen sinkt. Die spezifischen W. stehen mit den chem. Aquivalenten oder Atomgewichten in einer sehr merkwürdigen Beziehung. Für chemisch ähnlich zusammengesetzte Körper, z. B. für die einfachen Metalle, gilt das Gesetz (Dulong und Petit 1818), daß die spezifischen W. derselben sehr nahe im umgekehrten Verhältnis der Atomgewichte stehen, oder daß die Atomwärmen, das sind Produkte aus den spezifischen W. in die Atomgewichte, sehr nahe konstant sind, oder in noch anderer Ausdrucksweise, daß Gewichtsmengen dieser Körper, welche sich wie die Atomgewichte derselben verhalten, gleiche Wärmemengen erfordern, um ihre Temperatur um dieselbe Anzahl Grade zu erhöhen. Die spezifische W. des ssers, d. h. die Wärmemenge, welche die Gewichtseinheit (3. B. 1 kg) Wasser nötig hat, um von 0 bis 1 erwärmt zu werden, dient als Maßeinheit für die Wärmemenge und wird eine Wärmeein heit oder Calorie genannt. Die Wärmemenge 8 ist also die Menge, welche ausreicht, um 8 Gewichtseinheiten von 0 bis 1 zu erwärmen. Wenn die Temperatur der festen Körper einen bestimmten Grad (Schmelzpunkt) erreicht hat, so beginnen dieselben ihre Aggregatsform zu verändern und den flüssigen Zustand anzunehmen. Zu dieser Umänderung wird eine bestimmte Wärmemenge verbraucht, ohne daß durch die Aufnahme derselben sich die Temperatur erhöht (Konstanz des Schmelzpunktes). Man bezeichnete ehedem diese zum Schmelzen des Körpers verbrauchte Wärmemenge mit dem Namen der latenten oder gebundenen Wärmez jetzt nennt man sie gewöhnlich Schmelzungswärme. So z. B. ist die Schmelzungswärme (latente W.) des Wassers = 79, d. h.: um 1 kg Eis von 0' in Wasser von O' zu verwandeln (also ohne Temperaturerhöhung nur zu schmelzen), ist so viel W. nötig, als 79 kg Wasser von 0 erfordern, um ihre Temperatur um 1˙ zu erhöhen. Die Schmelzpunkte oder die Temperaturen, bei welchen die festen Körper schmelzen, sind sehr verschieden, und Gleiches gilt von Schmelzungswärmen (latenten W.) der aus ihnen gebildeten Flüssigkeiten. Wenn ein flüssiger Körper erstarrt, so muß er die Schmelzungswärme wieder abgeben. Diese beim Erstarren der Körper erzeugte W. heißt Erstarrungswärme; sie ist in der Regel an Größe gleich der Schmelzungswärme. Infolge der erzeugten Erstarrungswärme gefriert ein Gefäß mit Wasser nur nach und nach, weil die von den erstarrenden Teilen abgegebene Erstarrungswärme das übrige Wasser noch flüssig erhält. Wenn Flüsigkeiten erhitzt werden, so tritt bei einer gewissen emperatur abermals eine Zustandsveränderuug ein, indem sie sich in Dampf verwandeln. Bei diesem Tberum n der Flüssigkeiten in Dämpfe wird wiederum W. verbraucht (latent); man nennt diese zum Verdunsten oder Verdampfen der Flüssigkeiten in Anspruch genommene Wärmemenge die Verdunstungs⸗ oder Verdampfungswärme. So Heite braucht Wasser von 100˙ C. 536 Wärmeeiniten, um sich in Dampf von derselben Temperatur, 100, zu verwandeln. Um 1 kg Wasser von 0² C. in Dampf von 100 C. zu verwandeln, bedarf man also 100 --536, d. i. 636 Wärmeeinheiten. Auch wenn Wasser bei niedrigern Temperaturen als 100 C. verdampft, wird W. verbraucht (gebunden), und zwar noch mehr als 536 Wärmeeinheiten. Watt meinte: Die Summe der freien und der latenten W. des Wasserdampfes sei beinahe eine kon⸗ — — Größe; aber dieses theoretische Gesetz wurde urch die Versuche Regnaults nicht bestätigt. Es besteht in dieser Beziehung kein einfaches Gesetz, sondern nur eine empirische Formel. Wenn die Dämpfe kondensiert werden, so geben sie die ganze den Verdunsten verbrauchte W., d. i. jetzt die Konnsierungswärme, wieder ab. Darauf gründet — die Benutzung des sich kondensierenden Wassermpfes zum Erhitzen. Die Temperatur, bei welcher das Wasser siedet, d. h. sich nicht nur an der Oberfläche, sondern auch im Innern der aber dem in Dämpfe verwandelt, hängt von dem über dem Wasser befindlichen Drucke ab; das Sieden tritt ein, sobald die in der Flüssigkeit gebildeten Dämpfe hinreichende Spannkraft haben, um den über der Oberfläche der siedenden Flüssigkeit lastenden Druck (gewöhnlich der Luftdruck) zu überwinden. Die Versuche mit dem Brennglas (s. d.) und selbst die gewöhnliche Wahrnehmung lehren, daß die Sonnenstrahlen nicht nur erleuchtend, sondern auch erwärmend wirken. Jeder Lichtstrahl ist zugleich ein Wärmestrahl. Allein nicht nur leuchtende, sondern auch dunkle Körper senden