FeedWarthe oder Warte (poln. Warta)
ErdkundeBrockhaus 1882

Warthe oder Warte (poln. Warta), der größte Nebenfluß der Oder, entspringt bei Kromolow auf den flachen Höhen des südpoln. Kalksteinplateau, 60 km im NW. von Krakau und 7 km im WNW. von der Quelle der zur Weichsel gehenden Pilica. Sie fließt mit mehrern Windungen erst gegen NNW. nach Czenstochau, dann mit einem großen gegen Westen offenen Bogen in einem tiefer eingesenkten Thale über Mstow bis in die Nähe von Radomsk, hierauf westwärts, tritt unterhalb Zalecze mit ihrem sießt Norden gerichteten Laufe in das Tiefland, ließt in diesem in breiter Sumpfniederung, nicht selten mehrarmig, nach Sieradz und Warta, dann, nach Aufnahme des Ner bei Kolo wieder westwärts durch eine lange, mit Bruch und Moor erfüllte Senkung über Konin und Peisern, unterhalb welcher Stadt sie links die Prosna aufnimmt und 80 m breit in die preuß. Provinz Posen eintritt. Die W. durchfließt sodann diese in nordwestl. Richtung über Neustadt, Schrimm, Posen, Obornik, Obersitzko, Wronke, Neubrück, Zirke, Birnbaum und Schwerin, nimmt rechts bei Obornik die Welna, links unterhalb Schwerin die Obra von Meseritz her auf, tritt dann in die Neumark der preuß. Provinz Brandenburg über, wendet sich hier nach Aufnahme der von rechts einmündenden Netze abermals westwärts über Landsberg durch die Warthebrüche und mündet 200m breit unterhalb der Festung Küstrin in die Oder. Ihr Flußgebiet hat ein Areal von 45 200 àkm, wovon 34965 auf Preußen kommen; von ihrem 795 km langen Laufe gehören 368 km zum preuß. Gebiet. Schiffbar ist sie im ganzen 397 km weit, von oberhalb Konin an, wo ein Kalksteinriff quer durch ihr Bett setzt, die Fahrt unterbricht und die Gegend bis Kolo in Sümpfe verwandelt. Durch die Netze (s. d.), die bei Nakel schiffbar wird, den Bromberger Kanal und die Brahe ist die W. mit der Weichsel verbunden. Die W. ist die Hauptschiffahrtsstraße der preuß. Provinz Posen. Nach Vereinigung mit der Netze zweigen sich mehrere kleine Arme von der W. ab, welche netzartig den 75 km langen und 10—15 km breiten Warthebruch durchfließen, eine Niederung, die teils aus fruchtbaren Feldern, teils aus sumpfigen Wiesen besteht, den Fluß bis zur Mündung begleitet und von vielen Entwässerungsgräben durchzogen wird. Es war dies vor 100 Jahren eine durchweg sumpfige, wüste Gegend, die König Friedrich II. 1767—82 urbar machen ließ. Die W. wurde kanalisiert und mit Dämmen versehen, und außerdem wurden nördlich und südlich von ihr Kanäle und Abzugsgräben angelegt. Die Mündung oberhalb Küstrin verstopfte man und gab dem Flusse eine andere unterhalb dieser Stadt. Die Einpolderung des untern Teils des Bruchs, bei Sonnenburg, erfolgte erst in den J. 1837 —42.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 451Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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