Welcker r Gottlieb), ausgezeichneter Altertumsforscher, geb. 4. Nov. 1784 zu Grünberg im Großherzogt. Hessen, studierte zu Gießen Philologie und Theologie. Schon 1803 als Lehrer am Pädagogium in Gießen angestellt, hielt er bald auch Vorlesungen an der Universität und machte dann 1806 eine Reise nach Italien. In Rom wurde er Hauslehrer bei W. von Humboldt, zu welchem er in ein nahes Freundschaftsverhältnis trat, wovon die von Haym (Berl. 1859) herausgegebenen Briefe Humboldts an W. Zeugniß geben. Ein zweijähriger Aufenthalt in Rom legte den Grund zu den Arbeiten, welche W. als Lehrer und Schriftsteller in großem Zusammenhange ausgeführt hat, die Religion des Altertums in ihrer geschichtlichen Entwickelung zu aus en und von diesem Standpunkte aus die daraus hervorgegangene Poesie und bildende Kunst in ihrem Bildungsgange zu verfolgen. Zurückgekehrt nahm er in Gießen 1808 die Vorlesungen neben seiner Lehrerstelle wieder auf; 1809 wurde er ord. Professor der griech. Litteratur und Archäologie, 1814 machte er als Freiwilliger die Kriege in Frankreich mit und verlebte den folgenden Winter, um die Herausgabe des Zoegaschen Nachlasses, aus dem GZoegas Lebeno (2 Bde., Gött. 1819) und „Abhandlungen » (Gött. 1817) hervorgingen, vorzubereiten, in Kopenhagen. Nach der Heimkehr nahm er infolge von Konflikten mit den Behörden, welche infolge seiner polit. Gesinnung eintraten, 1816 seinen Abschied und erhielt gleich darauf einen Ruf nach Göttingen. Schon in Gießen hatte die Fragmentsammlung des Alkman (Gieß. 1815), als Probe einer neuen Bearbeitung der griech. Lyriker, wie die übersetzung und Erklärung der „Wolken » und «Frösche des Aristophanes (2 Bde., Gieß. 1810—12), nebst der Bearbeitung von Zoegas «Basreliefs Romso(2 Bde., Gieß. 1811—12), die Richtung der Studien W.s bezeichnet, welche in Göttingen die «Zeitschrift für alte Kunsto (Gött. 1817—18) und die Ausgabe der Fragmente des Hipponax (Gött. 1817) weiter verfolgten. W. folgte 1819 einem Rufe an die neugegründete Universität Bonn, wo er durch höchst poetische Anschauung, Geist und Gelehrsamkeit anregend und fördernd gewirkt hat. Als Oberbibliothekar hat er die Bibliothek begründet; auch das vorzügliche akademische Kunstmuseum ist seine Schöpfung, das er durch wissenschaftliche Verzeichnisse (1827, 1841, 1844) belehrend machte. Zweimal, 1819 und 1832, hatte er polit. Anfechtungen zu bestehen: Zeugnisse seiner stets bewahrten Unabhängigkeit und Freimütigkeit. Im J. 1841 unternahm W. eine neue Reise nach Italien, welche ihn nun auch nach Griechenland und Kleinasien führte, und deren Tagebuch später veröffentlicht ist (2 Bde., Berl. 1865). Darauf folgte 1852 noch ein Winteraufenthalt in Rom. Im J. 1854 gab er das Oberbibliothekaramt ab, 1859 legte er auch seine Professur nieder und starb zu Bonn 17. Dez. 1868. Seine ausgedehnte litterarische Thätigkeit, welche vorwiegend den höchsten geistigen Interessen der Altertumskunde zugewandt war, hat durch eigentümliche, tiefeindringende Forschung die wichtigsten Fragen unter neue Gesichtspunkte gestellt und auch, wo sie begründeten Widerspruch fand, nachhaltig gefördert. Außer den Ausgaben des Theognis (Frankf. 1826), Philostratos (mit Jakobs, Lpz. 1825), Hesiodos (Theogoniev, 1865), der «Sylloge epigrammatumeo (1828) haben die Schriften «Die (Frankf. 1826), «Die griech. Tragödien mit Rücksicht auf den epischen Cyklus geordnete (3 Bde., Bonn 1839 —41),«Der epische Cyklus oder die Homerischen Dichtero (2 Bde., Bonn 1835—49; 1. Tl., neue Aufl., 1865; 2. Tl., 1882) die griech. Litteraturgeschichte in engster Verbindung mit der der Mythen zum Gegenstand. Nach einzelnen Untersuchungen «Über eine kretische Kolonie in Theben» (Bonn 1824) und dem Anhange zu K. Schwencks Etymolog.⸗mytholog. Andeutungen» (Elberf. 1823) unternahm W. in der Griech. Götterlehrer (3 Bde., Gött. 1857 — 62) eine Darstellung der religiösen „Vorstellungen der Griechen unter dem Gesichtspunkte geschichtlicher Entwickelung. Die methodische Erklärung der alten Kunstwerke aus der Sage und Poesie wie ihr kunsthistor. Verständnis begründen die «Alten Denkmälero (5 Bde., Gött. 1849—64) in einer reichen Fülle der bedeutendsten Monumente. Die wichtigsten der in philol. Zeitschriften, sowie in den Schriften des von W. geleiteten Archäologischen Instituts, in der Archäol. Zeitunge und in dem von W. seit 1834 mit Näle, seit 1841 mit Aufsätze und Abhandlungen sind gesammelt in den Kleinen Schriftend (5 Bde., Bonn u. Elberf. 1844 „67). Vgl. Kekule, «Das Leben Friedrich Gottlieb W.so (Lpz. 1880).