FeedWeber (Wilhelm Eduard)
NaturlehreBrockhaus 1882

Weber (Wilhelm Eduard), hervorragender Physiker, Bruder Ernst Heinrich W.s, geb. 24. Okt. 1804 zu Wittenberg, besuchte das Pädagogium des Franckeschen Waisenhauses in Halle, dann die Universität daselbst. Schon als Schüler nahm W. teil an den experimentalen Untersuchungen seines ältern Bruders Ernst Heinrich W., welche in der Herausgabe der «Wellenlehrer (Lpz. 1825) ihren Abschluß fanden. Nachdem W. 1827 in Halle auf Grund einer Abhandlung, in welcher die Theorie der Zungenpfeifen entwickelt wird, abilitiert hatte und bald darauf zum außerord. Professor ernannt worden war, folgte er 1831 einem Rufe als ord. Professor für Physik nach Gottingen. Hier knüpfte sich ein enges Freundschaftsband zwischen W. und Karl Friedrich Gauß. Dasselbe wurde von großer Bedeutung, insofern aus ihm als Frucht gemeinsamer Arbeit der erste elektromagnetische Telegraph im J. 1833 hervorging. Zwei Kupferdrähte, über die Dächer der Stadt Göttingen führend, vermittelten bei den gleichzeitig angestellten magnetischen, galvanischen und elektromagnetischen Untersuchungen gleich von Anfang an den telegraphischen Verkehr zwischen dem physik. Institut und dem magnetischen Observatorium der Sternwarte. Die erste Nachricht hierüber findet sich in den Göttinger gelehrten Anzeigen» (1834, Bd. 2). Nachdem W. in Gemeinschaft mit seinem jüngern Bruder Eduard die Abhandlung über die Mechanik der Gehwerkzeuge (Gött. 1836) herausgegeben hatte und der Magnetische Verein kaum gegründet war, wurde derselbe am 14. Dez. 1837, als einer der sieben göttinger Professoren, welche der oktroyierten Verfassung die Anerkennung verweigerten, seines Amtes entsetzt. Er lebte seitdem teils als privatisierender Gelehrter in Göttingen, teils auf Reisen, bis er 1843 als Professor nach Leipzig berufen wurde. Von hier kehrte W. Ostern 1849 in seine frühere Stellung in Göttingen zurück. Außer den verschiedenen Abhandlungen in den von Gauß und W. gemeinschaftlich herausgegebenen „Resultaten aus den Beobachtungen des Magnetischen Vereins 1836—415 und außer dem «Atlas des Erdmagnetismuso (Lpz. 1840) haben Wis elektrodynamische Maßbestimmungen (7 Abhandlungen in den Abhandlungene der königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 1846 —78) eine fundamentale Bedeutung. In ihnen stellt W. sein allgemeines Grundgesetz der Elektricität auf, führt das absolute Meßsystem in die Elektricitätslehre ein, erschließt durch Konstruktion neuer Meßapparate und neuer Beobachtungsmethoden das Gebiet der Elektricität des Magnetismus einer genauern Erforschung. Weitere Abhandlungen über Inklination, Erdmagnetismus, Galvanometrie enthalten die Abhandlungen der königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 486Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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