FeedWebster (Daniel)
GeschichteBrockhaus 1882

Webster (Daniel), berühmter amerik. Staatsmann, der mit Calhoun und Clay das Triumvirat der sog. zweiten Periode amerik. Staatsmänner bildet, wurde 18. Jan. 1782 zu Salisbury (ietzt Franklin) in Newhampshire geboren und erhielt trotz der ärmlichen Verhältnisse, aus welchen er hervorging, eine gründliche Schulbildung im Kollegium zu Dartmouth. Im J. 1806 ließ er sich zu Portsmouth in 19125dür Oet als Advokat nieder. Nachdem er 1812 der Gesetzgebenden Versammlung seines Staats als Mitglied angehört hatte, ward er gegen Ende desselben Jahres als Abgeordneter in den Kongreß gewählt, welchem er während zweier Sessionen bis 1816 angehörte. W. schloß sich hier den + an, billigte aber den Krieg mit England, und drang nach dem Frieden auf die schleunige Reorganisation der materiellen Interessen des Landes. Nach seinem Austritt aus dem Kongreß zog W. nach Boston, wo er ein weiteres und lohnenderes Feld für die Ausübung seines Berufs fand. Im J. 1820 wurde er Mitglied der die Verfassung des Staats revidierenden Versammlung, und 1823 trat er wieder als Repräsentant von Boston in den Kongreß, in welchem er bald durch Beredsamkeit und polit. Einsicht eins der leitenden Mitglieder wurde. Sodann gelangte er 1827 in den Senat, dem er bis 1839 angehörte. Als General Harrison 1841 den Präsidentenstuhl bestieg, stellte er W. als Staatssekretär an die Spitze des Ministeriums. Wiewohl Harrison schon nach vier Wochen starb, behielt W. dieses Amt doch noch zwei Jahre unter Tyler. Im Auftrage desselben schloß er 1842 zu Washington mit dem engl. Gesandten Lord Ashburton den Vertrag zur Regulierung der Grenzen, zur Unterdrückung des Sklavenhandels und zur Auslieferung der Verbrecher ab. Im J. 1845 trat W. wieder in den Senat, wo er sich energisch gegen den Krieg mit Mexiko erklärte, weil er ein Gegner der Ausdehnung der Sklaverei war. Im J. 1850 dagegen bei der Beratung der Maßregeln, welche schließlich zum Kompromiß vom 9. Sept. 1850 führten, verleugnete er seine frühern Ansichten und trat entschieden auf die Seite der Sklavenhalter. Fillmore ernannte ihn zwar im Juli 1850 zu seinem Staatssekretär, aber der bisher gefeierte Mann verlor durch seinen auf die Präsidentschaft spekulierenden Gesinnungswechsel Ansehen und Vertrauen beim Volke. Selbst die Südländer ließen ihn bei der Präsidentenwahl von 1852 fallen. W. starb 24. Okt. 1852 auf seinem Landsitze zu Marshfield bei Boston. Seine Reden und Schriften wurden mit einer biographischen Skizze von Everett unter dem Titel »Speeches, forensie arguments and diplomatic papers of Daniel W. (6 Bde., Bost. 1855) herausgegeben. Sein Sohn veröffentlichte seine Privatkorrespondenz (2 Bde., Bost. 1858). Vgl. Lanman (W.s Privatsekretär), «Private life ot Daniel W. „ (Bost. 1853), und die Biographie W.s von Curtis (2 Bde., Neuyork 1870). Vgl. außerdem March, «Daniel W. and his contemporarieso (Neuyork 1876), K memorial of Daniel W. From the City of Bostono (Bost. 1853) und Lodge «Daniel W. (5. Aufl., Bost. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 490Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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