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ErdkundeBrockhaus 1882

Weinsberg, freundliches Städtchen im württemb. Neckarkreise und früher Freie Reichsstadt, an der Kocherbahn, 5, km nordöstlich von Heilbronn am Neckar in dem fruchtbaren, dichtbevölkerten Weinsberger Thal gelegen, an dem Fuße des runden, rebenreichen Schloßbergs amphitheatralisch hingebaut, Station der Linie Heilbronn-Crailsheim der Württembergischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts und eines Oberamts, hat eine Lateinschule und zählt (1885) 2436 E., welche vorzüglichen Weinbau, bedeutenden Obstbau und Kleingewerbe treiben, auch Keuperwerksteine und Gipsbrüche ausbeuten. Interessant ist die Stadtkirche, eine im 13. Jahrh. im roman. Stil erbaute Säulenbasilika mit Spitzbogenarkaden. In ihrer Nähe befindet sich das Denkmal des Reformators Okolampadius. Am Fuße des Schloßbergs liegt die Wohnung Justinus Kerners (s. d.) mit freundlichen Gartenanlagen und einem Denkmal. Die Burg war der Stammsitz der reichbegüterten Herren von W., mit denen die Stadt, welche vermutlich im 13.Jahrh. zur Freien Reichsstadt erhoben wurde, als solche vielfach im Streite lag, bis mit dem 1440 erfolgten übergang der Stadt an die Pfalz W. seine Reichsfreiheit verlor. Auf der Höhe liegen die malerischen, mit wohlgepflegten Anlagen unigebenen Ruinen des Schlosses Weibertreu, so genannt zum Andenken an die durch Bürgers Ballade verherrlichte Sage. Kaiser Konrad III. soll nämlich nach dem in der Nähe der Stadt 1140 über den Grafen Welf gewonnenen Siege, bei welchem nach der Sage auch zum ersten mal das Feldgeschrei cHie Waiblingeno und «Hie Welf erchollen sein soll, diesen in W. belagert und, über den hartnäckigen Widerstand der Belagerten erbittert, bei der endlich erzwungenen Übergabe die Männer zum Tode verurteilt und nur den Weibern mit ihren Kostbarkeiten freien Abzug gestattet . welche Erlaubnis diese benutzten, um ihre tänner auf dem Rücken herauszutragen und so zu retten. Ein großes olgemälde vom J. 1659 in der Stadtkirche stellt die Begebenheit dar; auch wurde 1823 in W. auf Betrieb Justinus Kerners ein Frauenverein (Weibertreu-Verein) zur Verschönerung des Bergs und zur Unterstützung unbemittelter Frauen gestiftet, die sich durch Treue und Aufopferung ausgezeichnet haben. Im Bauernkriege wurden hier 1525 der Graf von Helfenstein und andere gefangene Edle durch die Spieße der Bauern gejagt und die Stadt deshalb das Jahr darauf eingeäschert. Seit 1646 ist W. in ununterbrochenem Besitz von Württemberg, nachdem es schon Herzog Ulrich 1504 dem Pfalzgrafen abgenommen, aber 1519 wieder an den Schwäbischen Bund verloren hatte. Vgl. Jäger, Beschreibung und Geschichte der Burg W. (Heilbr. 1828); J. Kerner, »Die Bestürmung der Stadt W. im J. 15255 (2. Aufl., Heilbr. 1848); Dillenius, «Chronik von W.y (Stuttg. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 521Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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