FeedWeiße Frau ist ein Gespenst
GeschichteBrockhaus 1882

Weiße Frau ist ein Gespenst, das in mehrern Schlössern deutscher Fürsten und Herren, zu Neuhaus in Böhmen, in Berlin, Ansbach, Bayreuth, Kleve, Darmstadt, Altenburg u. s. w. erscheinen soll, wenn wichtige Begebenheiten, namentlich aber Todesfälle von Familiengliedern bevorstehen. Sie gilt als Ahnmutter des Geschlechts und zeigt sich stets in schneeweißem Gewande. Am frühesten, schon im 16. Jahrh., ist unter dem Namen Bertha von Rosenberg die Ahnfrau und Weiße Frau der Herren von Neuhaus und Rosenberg in Böhmen berühmt geworden. Im berliner Schlosse will man die Weiße Frau schon 1628 und noch 1840 und 1850 gesehen haben. Man führt historisch diese Weiße Frau in den Schlössern des preuß. Fürstenhauses bald auf die schuldbeladene Gräfin Agnes (s. d.) von Paid oam „bald auf jene Bertha von Rosenberg, bald sogar auf die bulgar. Prinzessin Kunigunde, welche erst mit Ottokar II. von Böhmen, dann mit einem Rosenberg vermählt war, zurück. Vgl. Julius von Minutoli, Die Weiße Frau» (Berl. 1850); Kraußold, «Die Weiße Frau und der orlamünder Kindermord. Eine Revision der einschlagenden Dokumente (Erlang. 1866). Die in diesen einzelnen Sagen hervortretenden Züge weisen zurück in die german. Mythologie, auf eine Göttin, die auf Geburt und Tod einwirkt und der Ordnung des Hauswesens vorsteht. Noch bestimmter führt die Benennung Weiße Frau und der Name Bertha auf jene unter mehrern Namen erscheinende große Naturgöttin, die als 4Berhta», d. h. die Glänzende, Leuchtende, Weiße, besonders in den Zwölf Nächten ihren Umgang hält und ihre Macht offenbart.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 526Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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