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Bildende KunstBrockhaus 1882

Wereschagin, Vereschagin, eigentlich Wereschtschagin (Wasilij Wasiljewitsch), russ. Historienmaler, geb. zu Tscherepowez (Geuv. Nowgorod) 26. Okt. 1842, besuchte die Marineschule in Petersburg und wurde Offizier, widmete sich aber bald der Malerei und unternahm 1861 eine Studienreise nach Deutschland, Frankreich und Spanien. Dann begab er sich in den Kaukasus und 1864 nach Paris, wo Gerome in der Ecole des beaux- arts sein Lehrer wurde. Mit General Kauffmann nahm er 1867 an der Expedition in den Kaukasus teil, bewährte sich hier als tüchtiger Soldat und begab sich nach einem abermaligen pariser Aufenthalt 1869 nach Sibirien. In den siebziger Jahren war W. vielfach mit dem genauen Kenner des Kaukasus, dem deutschen Maler Horschelt, in München thätig, 1874 ging er mit dem Prinzen von Wales nach Indien, worauf er sich in Paris niederließ. Hier erbaute er ein eigenes kolossales Atelier, um dort seine Riesenbilder auszuführen. Der Russisch-Türkische Krieg ließ ihn jedoch wieder das Atelier mit dem Schlachtfelde vertauschen. Er wurde verwundet, nahm aber trotzdem an der Erstürmung von Plewna teil. Als Sekretär des Generals Strukoff funktionierte er bei den Friedensverhandlungen. Seit jener Zeit begann W. Rundreisen mit seinen zahlreichen Kunstwerken durch alle großen Städte Europas, wo sie Gegenstand allgemeinen Interesses wurden, aber sehr verschiedene Urteile erfuhren. W. ist der Maler der realsten Interessen der Gegenwart, indem er den Krieg mit all seinem Entsetzen schildert und mit dem Aufwand einer geradezu brutalen Realistik Abscheu gegen denselben zu erwecken weiß. Der die ungeheuern Leichenfelder segnende Pope, die Haufen Gestorbener in den türk. Lazaretthöhlen, die Verstümmelten auf den Verbandplätzen, die erfrorenen Vorposten und andere Gräßlichkeiten, mit großer Technik geschaffen, rissen durch das Ungewöhnliche des Gegenstandes und durch die Mache die Mehrzahl der Beschauer hin; ähnliche Schauerstücke waren: die russ. Nihilisten am Galgen, die an Kanonen gebundenen Sipoys u. s. w. Endlich trat W. mit religiösen Gemälden hervor, d. h. Darstellungen von Personen und Scenen des Evangeliums, welche er mit schroffem Realismus behandelte. Besonders das Gemälde der Familie Jesu und die Auferstehung erregten Anstoß. In seinen Riesenbildern, wie im Einzug des Prinzen von Wales (wo vier lebensgroße Elefanten vorkommen), ist er kalt und erfindungsleer, wie auch die vielen Landschafts-, Kostüm- und Genredarstellungen, die er auf weiten Reisen entwarf, mit der Präcision, aber auch mit der Seelenlosigkeit der Photographie wirken. W. schrieb auch Skizzen und Erinnerungeno (deutsch von Kretzschmann, Lpz. 1885) und «Reiseskizzen aus Indien» (mit seiner Frau verfaßt, 2 Bde., Lpz. 1882—85). — Sein Bruder, Alexander Wassiljewitsch W., schrieb«In der Heimat und im Kriege. Erinnerungen und Skizzen eines russ. Edelmanns (3 Bde.; deutsch von A. von Drygalski, Berl. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 555Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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