Werner (Abr. Gottlob), ausgezeichneter Mineralog und Begründer der Geognosie, geb. 25. Sept. 1750 zu Wehrau in der Oberlausitz, besuchte die Waisenhausschule 3u Bunzlau und wurde 1764 bei seinem Vater, der Inspektor der gräfl. Solmsschen Eisenhütten war, als Hüttenschreiber angestellt. Er bezog 1769 die Bergakademie zu Freiberg, 1771 die Universität zu Leipzig, wo er sich dem Studium der Rechte und später der Naturkunde widmete, und kam 1775 als Inspektor und Lehrer der Mineralogie und Bergbaukunde an die Bergakademie zu Freiberg, in welcher Stellung er bis an seinen Tod wirkte. Nach einigen Jahren trennte er die Vorträge über Bergbaukunde von denen der Mineralogie. Auch schied er die Oryktognosie oder Mineralogie von der Geognosie, welche letztere von ihm begründete Wissenschaft er 1785 zum ersten mal vortrug. Das Bild der sinnlichen Anschauung der Gegenstände vollständig und genau aufzufassen und in Worten deutlich ausgeprägt wiederzugeben, war das Wesen seiner abungen we⸗ und Worte, Kennzeichen und Beschreibungen waren nur die Mittel. Auf alle bedingten und höhern wissenschaftlichen Hilfsmittel leistete diese Methode freilich Verzicht. Sein mineralog. System ist daher einer wissenschaftlichen Behandlung gewichen, aber seine Kennzeichenkue und seine Mineralbeschreibungen bleiben für alle Zeiten klassisch. Gleichgroßes Aufsehen machte sein System der Geognosie. Vor ihm kannte man nur die sog. Geologie oder Geogenie, die Theorie oder Bildungsgeschichte der Erde, bestehend in einer Reihe von Hypothesen. W. gründete seine Geognosie auf Beobachtungen und machte sie zur Erfahrungswissenschaft. Nach W.s Ansicht ist der Ocean der eigentliche Quell aller Bildung der Erde und noch jetzt der Grund zu jeder neuen Gestaltung im Mineralreiche im Wasser enthalten. Hierdurch wurde er der Begründer des Neptunismus. Auch als Lehrer der Bergbaukunst, der Eisenhüttenkunde und anderer Zweige der Bergwerkskunde wirkte er wohlthätig. Als riftsteller hat er weniger geleistet. Außer der Abhandlung aüber die äußern Kennzeichen der Fossiliend (Lpz. 1764) und einer Reihe von Aufsätzen in verichiedenen Zeitschriften, von denen mehrere von großer Wichtigkeit, besitzt man von ihm: «Kurze Klassifikation und Beschreibung der Gebirgsarten (Dresd. 1787), Meue Theorie über die Entstehung der Gänger (Freiberg 1791), die Übersetzung von Cronstedts Versuch einer Mineralogien (Bd. 1, Lpz. 1780), das Verzeichnis des Mineralienkabinetts des Berghauptmanns Pabst von Ohain⸗ (2 Bde., Freiberg 1791—92). W. starb zu Dresden 30. Juni 1817. Seine reichen Sammlungen und sein litterarischer Nachlaß kamen an die Akademie. In den Promenaden zu Ceine wurde ihm 1851 ein Denkmal errichtet. Seine Lebensbeschreibung lieferte Frisch (Lpz. 1825). Vgl. Hasse, «Denkschrift zur Erinnerung an W.» (Lpz. 1848).