FeedWhitefield (George)
ReligionBrockhaus 1882

Whitefield (George), ein Mitstifter und Haupt der Sekte der Methodisten (s. d.), geb. 16. Dez. 1714 zu Gloucester, studierte Theologie in Oxford und wandte sich dem religiösen Verein der Gebrüder Wesley (s. d.) zu, aus dem der Methodismus hervorging. Nachdem er 1736 in seiner Vaterstadt die Ordination nach dem Ritus der engl. Hochkirche empfangen, kehrte er nach Oxford zurück, leitete hier den Methodistenverein, predigte in London, Bristol und an andern Orten und hielt 1739 in Kingswood unter ungeheuerm Erfolge die erste Feldpredigt. Wesley rief ihn 1738 nach Amerika; doch kehrte er schon 1739 zurück und erhielt eine Predigerstelle zu Oxford. Indessen wählte er besonders die Kirchen Londons zum Schauplatz seiner geistlichen Thätigkeit. Schon 1740 wurden ihm jedoch die Staatskirchen verboten, weil er bedeutend von dem hochkirchlichen Dogma abwich, und nun versammelte er seine Anhänger im Freien. Nachdem er 1740 wiederum für kurze Zeit in Nordamerika gewesen war, bei Savannah in Georgien ein großes Waisenhaus nach dem Muster des hallischen gestiftet hatte, zerfiel er nach seiner Rückkehr besonders wegen seiner Stellung zur Prädestinationslehre mit Wesley. Er baute sich nun in Moorsfields zu London, neben der Kirche Wesleys ein eigenes Gotteshaus, das er Tabernaculum nannte, und wußte einen Teil der zahlreichen Methodistengemeinden für sich zu gewinnen. Auch eröffnete ihm die schott. Staatskirche ihre Kanzeln, von denen herab er unter dem größten Zulauf predigte. Auf der Rückreise aus Schottland, wo er sich großes Verdienst um die Einrichtung von Schulen und Waisenhäusern erwarb, heiratete er 1742 zu Abergavenny eine vornehme Witwe. Seit 1744 reiste er häufig auf kurze Zeit nach Nordamerika, in dessen Kolonien sich die Methodisten seiner Partei, die Whitefieldianer, immer mehr ausbreiteten. Er starb 30. Sept. 1770 zu Newbury bei Boston in Massachusetts. W. führte die Anwendung der Stichomantie (das Befragen der Bibel durch zufälliges Aufschlagen bei wichtigen Unternehmungen) ein und bediente sich derselben sogar zur Entscheidung dogmatischer Fragen. Seine Predigten, Briefe und Kontroversschriften erschienen 1771 zu London in sechs Bänden. Vgl. «Life of W.y(Edinb. 1826; deutsch von Tholuck, Lpz. 1834); Gledstone, «Lite and travels of W.y (Lond. 1871); Tyermann, „Life of W.» (2 Bde., Lond. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 596Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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