FeedWied
GeschichteBrockhaus 1882

Wied, ein altes Dynastengeschlecht, das seinen Namen nach der Grafschaft Wied (s. d.) führt, kommt urkundlich zuerst 1093 vor. Es erlosch im Mannsstamm mit dem Grafen Lothar 1243, und die Grafschaft fiel an Bruno, Grafen zu Isenburg, der mit der Erbtochter vermählt war und den Namen W. annahm. Als auch dessen Stamm mit dem Grafen Wilhelm 1462 wieder im Mannsstamm erlosch, kam die Grafschaft an Friedrich von Runkel (gemeinsamen Ursprungs mit den Grafen von Westerburg), dessen Mutter, Gräfin Anastasia von Isenburg-W., eine Tochter des Grafen Johann (1415—54) und Nichte des letzten Grafen Wilhelm war. Graf Friedrich (1462 — 87) wurde nun der Stifter des gegenwärtigen Hauses W. Nach dem Tode seines Nachkommen, des Grafen Friedrich, 1698 teilte sich das Haus durch dessen Söhne in zwei Linien, W.⸗Runkel und W.⸗Neuwied. Jene besaß die obere Grafschaft W.⸗Runkel an der Lahn und wurde 1791 mit dem Grafen Christian Ludwig in den Fürstenstand erhoben, erlosch jedoch mit seinen Söhnen, als schnell nacheinander der Fürst Karl Ludwig Friedrich Alexander 9. März 1824 und sein Bruder, der Fürst Friedrich Ludwig (geb. 29. Jan. 1770), der erst in holländ., dann in österr. Diensten in höhern militärischen Würden den ganzen franz. Krieg mitgemacht hatte, 28. April kinderlos verstarben, worauf die jüngere Linie unter dem Namen W. sämtliche Lande vereinigte. Die jüngere Linie W.⸗Neuwied hatte im Grafen Johann Friedrich Alexander schon 1784 den Fürstenstand erhalten. Ihm war 1791 sein Sohn Friedrich Karl gefolgt, der das Fürstentum Neuwied 1802 an seinen Sohn Johann August Karl abtrat. Diesem folgte bei seinem Tode (24. April 1836) sein Sohn, Fürst Hermann zu W., geb. 22. Mai 1814. Derselbe diente mit Auszeichnung in der preuß. Armee, avancierte bis zum Generallieutenant und starb 5. März 1864. Der Fürst, ein Mann von hoher Bildung, hatte sich besonders philos. Studien gewidmet, wie seine anonym erschienenen Schriften: Das unbewußte Geistesleben und die göttliche Offenbarunge (2 Bde., Lpz. 1859), «Ein Ergebnis aus der Kritik der Kantschen Freiheitslehres (Lpz. 1861) und Replik und Duplik aus dem alten Streite über die Willensfreiheit‘ (Lpz. 1863) bekunden. Ihm folgte sein einziger Sohn, Fürst Wilhelm zu W., geb. 22. Aug. 1845, vermählt 350 18. Juli 1871 mit der Prinzessin Marie der iederlande. Eine Tochter des Fürsten Hermann zu W. ist die unter dem Pseudonym Carmen Sylva als Schriftstellerin bekannte Königin Elisabeth (. d.) von Rumänien, geb. 29. Dez. 1843. Ein Oheim des Fürsten Hermann war der als Reisender und Naturforscher bekannte Prinz Maximilian von W., geb. 23. Sept. 1782 zu Neuwied. Er stand früher in preuß. Diensten, aus denen er als Generalmajor seine Entlassung nahm. Schon frühzeitig beschäftigte er sich mit naturwissenschaftlichen, geogr. und histor. Forschungen. In Be-Lrente der Naturforscher Freireiß und Sellow ereiste er 1815 — 17 die innern Provinzen Brasiliens, worüber die reich ausgestatteten Werke: Reise nach Brasilien in den J. 1815—175 (2 Bde., Frankf. 1819—20, mit Atlas in Fol.), Abbildungen zur Naturgeschichte Brasilienso (15 Hefte, Weim. 1823—31) und (Beiträge zur Naturgeschichte Brasilienso (4 Bde., Weim. 1824-33) erschienen. In den J. 1832 —34 führte er eine zweite Forschungsreise nach den nordamerik. Freistaaten bis zum obern Missouri aus, über die er in der ebenfalls an ethnogr. Ergebnissen reichen «Reise nach Nordamerikas (2 Bde., Koblenz 1838 —43, mit Atlas von 81 Kupfern) berichtete. Auch schrieb er mehrere naturhistor. Abhandlungen für die Leopoldinisch-Karolinische Akademie, deren thätiges Mitglied er bis zu seinem Tode blieb. Er starb 3. Febr. 1867 zu Neuwied, wo sich auch seine reichen naturhistor. Sammlungen befinden. Vgl. Reck, Geschichte der Häuser Isenburg, Runkel und W.y (Weim. 1825).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 607Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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