Wiese (Ludw.), namhafter deutscher Pädagog, geb. 30. Dez. 1806 zu Herford in Westfalen, studierte zu Berlin Theologie, Philosophie und Philologie, wurde 1829 Lehrer am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Berlin, 1831 Konrektor am Gymnasium zu Clausthal, 1833 Prorektor an dem zu Prenzlau, 1838 Professor am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin, bei welcher Anstalt er 1845 auch die Leitung des mit derselben verbundenen Alumnats übernahm. Zu wissenschaftlichen Zwecken und um das Schulwesen anderer Länder kennen zu lernen, unternahm er verschiedene Reisen: 1842 nach Italien, wo er Mitglied des Archäolog. Instituts in Rom wurde, 1847 nach Süddeutschland, 1850 und später mehrmals nach England und Schottland, 1865 nach Paris. Im J. 1852 war er durch Minister von Räumer als Referent für das evang. Gymnasial- und Realschulwesen in das preuß. Unterrichtsministerium berufen; 1867erhielter die Aufgabe, das höhere Schulwesen der neuen preuß. Landesteile mit dem der alten Provinzen in organische Verbindung zu setzen, und unternahm infolge besonderer Konventionen Inspektionsreisen auch über die preuß. Grenzen hinaus. Nachdem 1868 eine Bundesschulkommission hinsichtlich der an Schulzeugnisse geknüpften Berechtigungen gebildet worden war, wurde W. zu deren Vorsitzenden ernannt, was er auch nach ihrer Erweiterung zur Reichsschulkommission blieb. Während der Personalunion Lauenburgs mit Preußen führte er die Aufsicht über die höhern Schulen des Herzogtums. Nach dem Frieden von 1871 bereiste er behufs Organisation des höhern Schulwesens das Reichsland Elsaß-Lothringen. Im J. 1875 schied W. mit dem Charakter als Wirklicher Geh. Oberregierungsrat aus dem Staatsdienst und lebt seitdem in Potsdam. Längere Zeit war er in Berlin unter anderm auch Mitglied der Militärstudien- und der Oberexaminationskommission für höhere Verwaltungsbeamte gewesen. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: KDeutsche Briefe über engl. Erziehunge (Berl. 1852; 3.Aufl.,2 Bde., 1877), „Verordnungen und Gesetze für die höhern Schulen in Preußeno (2. Abteil., Berl. 1867 —68; 3. Aufl. 1886), Das höhere Schulwesen in Preußen. Histor.⸗ statist. Darstellunge (3 Tle., Berl. 1864 —73), Lebenserinnerungen und Amtserfahrungeno (2 Bde., Berl. 1886); unter seinen Vorträgen: Die Bildung des Willensv (3. Aufl., Berl. 1873), «ber den Mißbrauch der Sprachey (2. Aufl., Berl. 1885).