FeedWilhelm (Ludw. Aug.)
GeschichteBrockhaus 1882

Wilhelm (Ludw. Aug.), Prinz von Baden, Bruder des Großherzogs Friedrich, preuß. General der Infanterie, geb. 18. Dez. 1829, erhielt seine Jugendbildung in Karlsruhe und trat 1849 in den preuß. Militärdienst ein. Im Deutschen Kriege von 1866 übertrug ihm der Großherzog die Führung der bad. Felddivision. Den polit. Ansichten seines Bruders huldigend, welcher nur infolge der Pression Osterreichs und der Nachbarstaaten in den Krieg gegen Preußen eintrat, ging sein Bestreben im Felde dahin, unnützes Blutvergießen zu vermeiden, soweit es mit dem Aufrechthalten der Waffenehre verträglich war. Seine Haltung gegenüber dem Kommandanten des 8. Armeekorps, Prinzen Alerander von Hessen, und seine militärischen Operationen in den Treffen bei Hundheim, Werbach, Gerchsheim (23., 24., 25. Juli) riefen eine unter dem Titel »Aktenmäßige interessante Enthüllungen über den bad. Verrate (Wien 1866) veröffentlichte Schrift hervor. Die offizielle Gegenschrift: Der Anteil der bad. Felddivision an dem Krieg 1866 in Deutschlando (3. Aufl., Lahr 1867) suchte den Prinzen zu rechtfertigen. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 befehligte W. die 1. bad. Infanteriebrigade und beteiligte sich mit dieser an den Operationen des Generals Werder. In dem Treffen bei Dijon 30. Okt. und bei Nuits 18. Dez. zeichnete sich W. durch Tapferkeit und Ausdauer aus; in dem letztern wurde er verwundet. Der Wahlbezirk Karlsruhe-Bruchsal wählte 3. März 1871 den Prinzen zu seinem Vertreter im ersten Deutschen Reichstag, in welchem er an die Deutsche Reichspartei sich anschloß. Prinz W. ist seit 11. Febr. 1863 vermählt mit der Prinzessin Maria, eb. 16. Okt. 1841, Tochter des verstorbenen Herzogs Maximilian von Leuchtenberg und der Großfürstin Maria von Rußland. Die Kinder dieser Che sind: die Prinzessin Maria, geb. 26. Juli 1865, und Prinz Maximilian, geb. 10. Juli 1867.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 654Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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