Wilson (Horace Hayman), einer der ausgezeichnetsten Kenner des Sanskrit und der ind. Litteratur, geb. 26. Sept. 1786 zu London, studierte ursprünglich Medizin und Chemie und trat 1808 in die Dienste der Ostindischen Kompagnie. In Kalkutta, wo er eine Anstellung bei der Münze erhalten, fand er Muße, sich dem Studium der ind. Sprachen zu widmen. Als erstes Erzeugnis veröffentlichte er Kälidäsa's Gedicht Megha-dutay Galk. 1813) mit freier engl. übersetzung in gereimten Jamben. (Dieselbe ist auch abgedruckt in Kälidasas Wolkenboter, deutsch von C. Schütz, Bielef. 1859.) Dieser Arbeit folgte das Sanskrit Dictionarys (Kalk. 1819; 2. Aufl., Kalk. u. Lond. 1832; neue Bearbeitung von Goldstücker, Lond. u. Berl. 1856 fg; 3. Aufl. von Jaguemohana Tarkalankara und Khettramohana Mookerjee, Kalk. 1874), ein Werk, durch welches W. seinen Ruf begründete und ein erfolgreiches Studium der altind. Litteratur erst möglich machte. Im J. 1820 ging er im Auftrag der Ostindischen Kompagnie nach Benares, um die dort bestehende Universität neu zu beleben. Eine Frucht seines dortigen Aufenthalts war das Lond. 1871; deutsch von O. L. B. Wolff, 2 Bde., Weim. 1828—31), in welchem er die übersetzung von 6 vollständigen Dramen, sowie die Analyse von 23 andern und eine treffliche Einleitung über das dramaturgische System der Indier, ihre Bühne u. s. w. mitteilte. Im März 1832 wurde er als le Professor des Sanskrit an die Universität zu Orford berufen und nach Wilkins Tode auch Bibliothekar am Cast-India-House. Seit seiner Rückkehr. nach Europa veröffentlichte W. mehrere sehr bedeutende Werke, wie die Übersetzung des Visbnu-Purànas (Lond. 1840; neu bearbeitet in 5 Bänden durch Fritz Edw. Hall, Lond. 1864 —77), die Sans-( krit Grammaro (2. Aufl., Lond. 1847), die Aus-fl gabe und Übersetzung der aSämkhya-Karikay (Lond. 1838) und der Novellensammlung Daça-Kumära-caritas (Lond. 1845). Seine für die Ge⸗( schichte des Orients wichtigen Forschungen über das indobaktrische Reich legte er in Ariana antiquan (Lond. 1842) nieder. In der History of British India from 1805 to 18355 (2 Bde., Lond. 1846) lieferte er eine treffliche Fortsetzung zu Mills (History of Britisbh Indiao. Eine übersetzung des Rigveda (Bd. 1—4, Lond. 1850—66) hat W. im Druck nicht vollenden können. Als Ergebnis langjährigen Fleißes veröffentlichte er && glossary of judicial and revenue termes v (Lond. 1855). Er starb 8. Mai 1860. W. nimmt auch einen bedeutenden Rang in der Geschichte der Civilisation des Orients ein. Hauptsächlich durch ihn wurde die Teilnahme der Inder für ihre eigene Litteratur und Sprache von neuem erregt. Seine Mchen Wibiiosammlung hat er auf der Bodleyanischen Bibliothek zu Oxford niedergelegt. Nach W.s Tode erschien ein Teil seiner Werke nebst vielen seiner kleinern Arbeiten gesammelt (Workso, Bd. 1—12, Lond. 1864 —77).