FeedWimpffen
GeschichteBrockhaus 1882

Wimpffen, ein schwäb. Geschlecht, dessen eigentlicher Geschlechtsname Hermann lautet, während «von Wimpffeno die Heimatsbenennung zu sein scheint. Die bisher angenommene Abstammung von einem alten Adelsgeschlecht ist unerwiesen. Dominik Hermann, Bürger zu Nürnberg, erlangte erst 1555 einen kaiserl. Wappenbrief, in welchem dem Dominik ein auf seinen Geschlechtsnamen bezügliches, sog. redendes Wappen, nämlich ein springender silberner Widder (auch Hlolerman genannt) im roten Schilde verliehen wird. Dieses Dominik Enkel, die Gebrüder Johann Friedrich (geb. 1581, J00 1668), Losungsamtmann zu Nürnberg, und Johann Dietrich 10. 1583), span. Lieutenant, erihter 1658 den Reichsadelsstand und wurden die Stifter der jetzt noch blühenden beiden Hauptlinien. Haupt der ersten Linie, des Johann-Friedrich-Stammes, ist Friedrich Ferdinand Franz. von W.. geb. 31. März 1805, dän. Kammerherr und Forstmeister zu 4 Die zweite (auch elsässische) Linie, der Johann-Dietrichs-Stamm, zerfiel später durch vier Söhne Johann Georgs (geb. 1689, gest. 1767): Stanislaus (geb. 1721/% Franz Ludwig (geb. 1732), Georg (geb. 1735) und elir (geb. 1744), in vier Aste, welche die Namen der Stifter tragen. Stanislaus (geb. 1721) begründete einen seit 1876 freiherrlichen Zweig in Stterreich. Franz Ludwig, geb. 2. April 1732 zu Zweibrücken, trat zeitig in das franz. Heer und wohnte den Feldzügen im Osterreichischen Erbfolge- und Siebenjährigen Kriege bei. Dann 9510 er 1760 als General in die Dienste des Herzogs Karl von Württemberg, vertauschte aber 1770 den württemb. Dienst wieder mit dem französischen, wo er als Divisionsgeneral und Präses des militärischen Revisionsgerichtshofs 24. Dez. 1800 zu Mainz starb. Er schrieb Rétorme de LPéconomie de LParmée françaises (Par. 1787, ein Projekt) und „Mémoires sur ma vies (Par. 1788). — Derselbe ist der Vater von Franz Karl Eduard von W., württemb. Generalmajor, Kart 2. Jan. 1776, gest. 7. Dez. 1842, welcher vom Kaiser Franz II. 8. April 1797 in den Grafenstand erhoben wurde. — Des letztern Sohn war Graf 9•2.8 von W., kaiserl. österr. Feldzeugmeister, geb. 2. April 1797 zu Prag. Er trat im Okt. 1813 als Unterlieutenant in das kaiserl. Heer und wohnte den Feldzügen 1813—14 in der Hauptarmee der Verbündeten, dem von 1815 bei der P. Wirllicher Armee in Italien bei, wurde 1821 k. k. Wirklicher Kämmerer, 1822 Hauptmann, 1828 Major, 1830 Oberstlieutenant, 1833 Oberst, 1838 Generalmajor und 1846 Feldmarschalllieutenant. Im Feldzuge von 1848 zeichnete er sich besonders bei Vicenza und Custozza aus und befehligte dann eine detachierte Division, welche den Po-Übergang bei Casale festhielt. Nach dem mit Sardinien abgeschlossenen Waffenstillstande erhielt er den Oberbefehl über die zur Intervention im Kirchenstaate bestimmten Truppen, rückte vor Bologna und zwang die Stadt durch ein Bombardement zur Kapitulation, ebenso Ancona. Darauf übernahm er die Leitung des Gouvernements der Legationen. Im Okt. 1849 wurde er zum Civil- und Militärgouverneur von Triest und Statthalter des Küstenlandes, auch zum Feldzeugmeister ernannt. Als provisorischer Oberkommandant der Marine war seine Thätigkeit sehr erfolgreich. Seit Sept. 1854 befehligte er eine Zeit lang die Erste Armee, trat aber 1861 als Generalfeldzeugmeister in den Ruhestand und starb zu Görz 26. Nov. 1870. Sein Nachfolger als Haupt des gräfl. Zweigs ist sein ältester Sohn Heinrich Emil, geb. 1. Mai 1827. Ein Bruder des arvon e war Felix Friedrich Wenzel, Graf von W., geb. 16. März 1827 zu Brunnsee in Steiermark; er wurde 1866 Gesandter in Preußen und Mecklenburg, 1872 in Italien, 1876 Botschafter in Paris, 1880 wieder in Rom. Seit 25. Juli 1882 war er Botschafter bei der franz. Republik, starb aber schon 30. Dez. 1882 in Paris durch Selbstmord. — Ein Bruder des ersten Grafen, Namens Friedrich von W., erhielt als königl. württemb. Generalmajor 1834 den württemb. Freiherrenstand. Der dritte der obengenannten vier Brüder, Georg (geb. 1735), hat gleichfalls Descendenz hinterlassen. Der vierte, Felix, Freiherr von W., franz. General, geb. 5. Nov. 1744 in Zweibrücken, machte sich zuerst im franz. Dienst als Führer eines Freikorps in Corsica gegen Paoli (1769) bemerklich und kommandierte 1782 das Regiment Bouillon bei der Belagerung von Gibraltar. Nach dem Frieden von 672 Wimpffen (Emanuel Felix, Freih Versailles nahm er seinen Abschied, lebte in der Normandie und wurde hier 1789zum Deputierten in die Versammlung der Reichsstände gewählt. Bei dem ersten Konflikt über die Abstimmung gehörte er zu dem kleinen Teile des Adels, der sich gleich dem Dritten Stande anschloß. Er verfaßte die Protestation gegen die getrennte Abstimmung, votierte auch in der Nacht des 4. Aug. für die Abschaffung der Vorrechte, hielt sich jedoch stets zu der gemäßigten Partei. Beim Ausbruch des Kriegs von 1792 wurde er als General wieder in der Armee angestellt und verteidigte Diedenhofen gegen die Preußen. Das ihm angebotene Kriegsministerium schlug er aus und übernahm das Kommando der Küstenarmee in Cherbourg. Hier trat er nach dem Sturze der Girondepartei gegen den Konvent auf, verhaftete dessen Deputierte in Caen und rief die nördl. Departements zu den Waffen. Er hatte jedoch wenig Erfolg; von England schwach unterstützt, wurde er bei Vernon geschlagen und mußte fliehen. Eine Zeit lang hielt er sich verborgen, bis es ihm gelang, nach England zu entkommen. Erst 1799, nach dem 18. Brumaire, kehrte er wieder zurück und wurde vom Ersten Konsul zum Divisionsgeneral ernannt. Später war er Direktor der kaiserl. Gestüte und starb 1814 zu Bayeux. Sein Enkel war der General Emanuel Felix, Freiherr von W. (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 671Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6