FeedWolff (Albert)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wolff (Albert), ausgezeichneter Bildhauer, geb. 14. Nov. 1814 in Neustrelitz in Mecklenburg, wo sein Vater, früher selbst Bildhauer, als Architekt des Großherzogs Georg fungierte. Letzterer vermittelte den Eintritt W.s in die Werkstatt Rauchs 1831, wo damals die Victorien für die Walhalla, das Max-Josephs-Denkmal, die Dürer-Statue gearbeitet wurden. Auch die Skulpturen für die oberste Terrasse von Sanssouci waren damals in Arbeit, und W. wurde zu ihrer Ausführung in Marmor 1844 nach Carrara gesandt. Er blieb beinahe zwei Jahre in Italien. Nach seiner Rückkehr half er Rauch am Friedrichsmonument und teilte namentlich die mehrjährigen gründlichen Studien über die Anatomie des Pferdes. Als selbständiger Künstler führte er sich durch eine Porträtstatue der Gräfin Raczynsta, als Hygieia, für einen Brunnen der Stadt Posen, ein, sowie durch ein Crucifir mit Johannes und Maria in Marmor für die Kirche in Kamenz. Nachdem er hierauf das Nationalkriegerdenkmal im Invalidenpark zu Berlin mit Reliefs geschmückt, lieferte er eine der Gruppen für die Schloßbrücke in Berlin (Auszug in den Kampf) 1853. Nach einer Idee und Skizze der russ. Großfürstin Katharina fertigte W. eine Candelabergruppe der Nacht, welche die Sterne (Kerzen) heraufführt (in Zink gegossen), und für die neue Schloßkirche in Neustrelitz die Kolossalstatuen der vier Evangelisten, welche in gebranntem Thon hergestellt wurden. Für diese Ausführungsart, und zwar für die berühmte Marchsche Fabrik in Charlottenburg, lieferte W. überhaupt eine Menge von Modellen, welche zum Teil als allegorische Statuetten und kleine mTeünar eine weite Verbreitung erhielten, um Teil auch eine monumentale Verwendung funden, so die Statuen des Großen Kurfürsten, Friedrichs II., König Wilhelms und des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Ferner gehören hierher die Kanzelfiguren für die Lukaskirche in Berlin, die allegorischen Gestalten der Fakultäten u. s. w., das kolossale Hautrelief: Herzog Albrecht, Gründer der Universität Königsberg, für den Neubau der dortigen Universität, die Statue Galileis u. s. w. für das Universitätsgebäude in Pest, die kolossale Statue Friedrich Wilhelms IV. für das Königsthor in Königsberg. W. wurde 1849 zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, 1858 zum Professor, 1866 zum Senatsmitgliede an derselben, 1868 zum wirklichen Mitgliede der Akademie zu Wien ernannt. Dreimal siegte W. in Konkurrenzen zu einem kolossalen Reiterstandbilde in Erz. Das erste galt dem König Ernst August, das 1861 zu Hannover aufgerichtet wurde, das zweite dem König Friedrich Wilhelm III., welches 1875 mit seinem figurenreichen Postament vollendet wurde, nachdem die Hauptfigur bereits 1871 enthüllt worden war (Verlin, Lustgarten), das dritte dem General Artigas für die Hauptstadt der Republik Uruguay 1885. Außerdem lieferte er die ideale Gruppe eines Löwenbezwingers, kolossal und in Erz, auf der Treppenwange des Museums in Berlin, als Gegenstück zur bekannten Amazonengruppe von Kiß. An Standbildern von W.s Hand sind noch zu nennen: die des verstorbenen Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz für Neustrelitz und die des Großherzogs Friedrich Franz J. von Mecklenburg— Schwerin für Ludwigslust. Nach dem Tode Rauchs vollendete W. auch dessen bekannte Mosesgruppe in Marmor. Unter den Büsten, welche er fertigte, sind die bemerkenswerthesten: Königin Augusta im königl. Schlosse zu Berlin, Generalfeldmarschall von Moltke für den Herzog Georg von Mecklenburg— Strelitz, Friedrich Wilhelm, Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, Ernst August, König von Hannover, Gräfin Raczinska, Graf Redern, Baron von Fahrenheid, General von Boyen, Diesterweg, Robert Prutz, die Professoren Busch und Lichtenstein. In die neueste Zeit fallen folgende Arbeiten: 1872 das Relief an der Vorderseite des Siegesdenkmals zu Berlin, den Einzug darstellend, 1877 die Kolossalstatue Friedrichs II. in Bronze für das Kadettenhaus zu Lichterfelde, 1878 die Kolossalstatue der Friede in Marmor für den Belle-Allianceplatz zu Berlin und das Modell zu einer Kolossalbüste des Großen Kurfürsten für das Denkmal zu Fehrbellin. Außerdem beschäftigten ihn eine Eva-Statue, eine kolossale Tiergruppe, Löwe seine Jungen gegen eine Riesenschlange verteidigend, eine Gruppe Bacchus mit Amor und ein Panther für die Nationalgalerie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 727Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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