FeedWurtz (Charles Adolphe)
ReligionBrockhaus 1882

Wurtz (Charles Adolphe), ausgezeichneter franz. Chemiker, geb. 26. Nov. 1817 zu Straßburg, absolvierte das dortige prot. Gymnasium, studierte anfangs Theologie, später Medizin und Chemie und ging 1845 als Präparator für die Vorlesungen über organische Chemie an der Sorbonne nach Paris. Hier wurde er 1846 Vorstand des chem. Laboratoriums an der Eeole des arts et manufactures und erhielt 1851 die Professur der Chemie am Institut agrouomique; 1853 ward er der Nachfolger Dumas' (s. d.) in dem Lehrstuhl für organische Chemie an der Sorbonne und nach dem Tode des Toxifologen Orfila erhielt er dessen Professur an der Eeole de médecine. Im J. 1866 übernahm er die Funktion eines Doyen der mediz. Fakultät und bekleidete dieses schwierige Amt unter Setfachen, durch polit. Strömungen hervorgerufenen Schwierigkeiten lange Jahre hindurch. Während seiner Amtsführung setzte er in der Fakultät vielfache Reformen in der Art des Unterrichts durch und schuf namentlich nach deutschem Muster praltische Kurse für biologische Chemie, Botanik, Histologie, pathol. Anatomie u. s. w. Durch Studentenunruhen veranlaßt, legte er 1. Mai 1876 das Amt eines Doyen uieder und widmete sich von nun lichen Arbeiten, bis er 12. Mai 1881 starb. Von seinen vielen chem. Arbeiten, von denen einige geradezu epochemachend für die Gestaltung der modernen organischen Chemie wurden, sind hervorzuheben die über die usammengef etzten Ammoniake, über die Radikale der organischen Ehemie, über den Butylalkohol, über die Glycole u. s. w. An selbständigen Werken gab er heraus: Eecons taire de chimie médicalev (2. Aufl., 2 Bde., 1868), WVLecons élémentaires de chimie moderne (4. Aufl., 1866—78), Dictionnaire de chimie pure et appliquéen (2.Bde., 1870 — 78), La théorie atomiquen. Die meisten Arbeiten von W. sind veröffentlicht teils in den Comptes rendus de I'Académie des scienceso, teils in den Annales de chimie et de physiquen, deren Mitredacteur er seit 1852 war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 787Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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