FeedWybicki (Joseph)
GeschichteBrockhaus 1882

Wybicki (Joseph), poln. Staatsmann, geb. 1747 auf seinem väterlichen Gute Bendomin bei Danzig, erhielt seine Bildung in der Jesuitenschule zu Danzig. Zum Landboten berufen, erregte er Aussehen, als er auf dem Reichstage von 1768 sein feierliches Veto gegen die unter russ. Einflusse gefaßten Beschlüsse ausrief. Er mußte nach Ungarn flüchten, schloß sich dann der Konföderation von Bar an und war für dieselbe in Wien, Berlin und Polnisch-Preußen thätig. Von dem russ. Gesandten gefährdet, entfloh er nach Holland und widmete sich ein Jahr hindurch kameralistischen Studien auf der Universität zu Leiden. Nach der ersten Teilung Polens kehrte er nach Warschau zurück und nahm an der Entwerfung eines neuen Gesetzbuchs teil. Er veröffentlichte Briefe an den Kanzler Zamojskiv (Warsch. 1777), in denen er die Aufhebung der Leibeigenschaft des poln. Landvolks als eins der ersten Staatsbedürfnisse Polens darstellte. Während des Aufstandes unter Kosciuszko befand er sich bei Dombrowsti in Großpolen. Die Erstürmung von Praga nötigte ihn abermals zur Flucht, zuerst nach Frankreich, dann nach Breslau, bis Napoleon nach dem Siege von Jena Dombrowsfki und ihn zu sich nach Berlin beschied und beide mit der Organisation eines poln. Heeres und einer poln. Verwaltung beauftragte. W. entfaltete nun in Polen eine so große Thätigkeit und gewann so großes Ansehen, daß er nach Errichtung des Herzogtums Warschau vom Könige von Sachsen zum Senator-Wojwoden ernannt wurde. Kaiser Alexander bestätigte darauf W. in dieser Würde und erhob ihn zum Präsidenten des warschauer Obertribunals. Er starb 1822. Unter seinen Schriften sind die vom Grafen Eduard Raczynski herausgegebenen Memoiren «Pamicétnikir (3 Bde., Pos. 1840) hervorzuheben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 797Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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