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ErdkundeBrockhaus 1882

Xanten, Stadt im Kreise Mörs des rheinpreuß. Regierungsbezirks Düsseldorf, 12 km westlich von Wesel, einst unmittelbar am Rheine, jetzt 2 Km von dessen linkem Ufer entfernt gelegen, Station der Linie Wesel-Boxtel der Nordbrabantisch-Deutschen Eisenbahn, ist der Sitz eines Amtsgerichts, hat eine evang. Kirche und einen berühmten kath. Dom, einen großen Marktplatz, eine Rektorat- und höhere Töchterschule, ein Lehrerinnenseminar, und zählt (1885) 3662 meist kath. E., die Samtwebereien, Ziegelbrennereien und Sirupfabriken unterhalten. Die größte Zierde der Stadt ist die fünfschiffige Kollegiattirche oder der St.⸗Victorsdom, ursprünglich gegründet von der Kaiserin Helena, Mutter Konstantins d. Gr., zu Ehren des heil. Bictor, des letzten Kohortenführers der Thebäischen Legion, der hier 302 unter Kaiser Maximinian nebst 330 Glaubensgenossen hingerichtet wurde. In ihrer jetzigen Gestalt wurde die Kirche erst 1213—1525 erbaut und 1861—68 restauriert, ein Meisterwerk deutscher Gotik, reich an Gemälden, Grabdenkmälern und prachtvollem Schmuckwerk. (Vgl. Beissel, «Die Baugeschichte der Kirche des heil. Victor zu X.», Freiburg 1883.) Außerdem ist X. merkwürdig wegen der röm. Altertümer, die in der Umgebung zefunden werden. Es soll hier Ulpia-Castra oder ricesimae (Standquartier der 30. Legion) und in der Nähe Vetera-Castra gestanden haben, wo im Kriege der Bataver unter Claudius Civilis gegen die Römer 69 und 70 n. Chr. mehrere Schlachten geschlagen wurden. beiW glaubt man die Spuren der von Germanicus bei Vetera geschlagenen Rheinbrücke und auf dem nahen Fürstenberg die Spuren vom Prätorium des Quinctilius Varus, desgleichen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. in der Nähe die Reste von Colonia-Trajana entdeckt zu haben, einem Orte, der in mittelalterlichen Chroniken Troja-Francorum oder (wegen des Märtyrertodes des heil. Victor) Troja-Sancta genannt wird. Am 21. Febr. 1858 wurde im Rhein bei X. eine röm. Bronzestatue aufgefunden, und in dem nahe südlich gelegenen Dorfe Birten, wo Otto d. Gr. 939 die Lothringer schlug, hat man ein röm. Amphitheater ausgegraben nebst einer Sphinx. Im Nibelungenliede kommt X. als Burg und Geburtsstätte des Drachentöters Siegfried vor. Was man aber als Trümmer derselben ausgibt, sind unzweifelhaft die Ruinen eines frühern Benediktinerklosters, das urkundlich 1116 gestiftet, 1250 mit Cisterciensern besetzt und 1586 von den Spaniern zerstört wurde. Am 12. Nov. 1614 wurde zu X. ein vorläufiger Teilungsvertrag in der jülichklevischen Erbfolgeangelegenheit zwischen Brandenburg und Pfalz-Neuburg geschlossen. Auf dem Kirchhofe steht eine hohe Spitzsäule als Monument des Kanonikus de Pauw, Vorlesers Friedrichs d. Gr. unter Blartfar gelber Farbstoff der Hochblätter, s. unter Blattfarbstoffe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 801Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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