York, ein Herzogstitel, den die Könige von England gewöhnlich an Glieder ihres Hauses, und zwar an den zweiten Sohn verleihen. Eduard III. gab den Titel an seinen vierten Sohn, Edmund, welcher der Gründer des Hauses Y. oder der Weißen Rose wurde. Sein älterer Bruder, Johann, stiftete daegen das Haus von Lancaster oder die Rote Rose. Beide Häuser führten als Zweige der königl. Plantagenet (s. d.) gegeneinander einen langen, furchtbaren Kampf um die engl. Königskrone, den Krieg der beiden Rosen, bis endlich das Haus Tudor in der Person Heinrichs VII. den Thron usurpierte. (S. Großbritannien, geschichtlich.) — Heinrich VIII. und Karl J. führten bis zum Tode ihrer ältern Brüder den herzogl. Titel von Y., cbenso Jakob II. bis zu seiner Thronbesteigung. Auch Jakobs II. Sohn, der Prätendent Jakob III., verlieh in der Verbannung seinem zweiten Sohne, Henry Benedict, den Herzogstitel von Y.; derselbe ist bekannt unter dem Namen des Kardinals von Y. Mit ihm starben 1807 die königl. Stuarts (s. d.) aus. — Georg IJ., aus dem Hause Hannover, erhob 1716 seinen Bruder Ernst August, Fürstbischof von Osnabrück, zum Herzog von Y.; derselbe starb 1728, worauf Eduard August, zweiter Sohn des Prinzen Friedrich von Wales und Bruder Georgs III., 1760 diesen Titel erhielt, aber 1767 gleichfalls kinderlos starb. Der letzte Herzog von R. war Frederick, zweiter Sohn Georgs III. Derselbe wurde 16. Aug. 1763 geboren und erhielt 1764 das Fürstbistum Osnabrück, bis es 1802 an Hannover abgetreten wurde. Während er den preuß. Militärdienst erlernte, wurde er 1784 zum Herzog von Y. und Albany in Großbritannien und zum Grafen von Ulster in Irland ernannt. Als er 1787 nach England zurückkehrte, nahm er seinen Sitz im Oberhause ein und zeigte sich im folgenden Jahre bei Verhandlung der Regentschaftsfrage seinem Bruder, dem nachherigen Georg IV., sehr ergeben. Ein Duell, das er 1780 mit dem Oberst Lennor, dem spätern Herzog von Richmond, bestand, machte großes Aufsehen. Y. ging 1791 abermals auf das Festland und heiratete zu Berlin 29. Dez. die Prinzessin Friederike, älteste Tochter Friedrich Wilhelms II. von Preußen. Als 1793 der Krieg mit Frankreich ausbrach, gab ihm Georg III. den Befehl über ein brit. Korps, das im Verein mit den Verbündeten die Niederlande verteidigen sollte. Nach der Einnahme von Valenciennes schickte ihn der Oberfeldherr, Prinz von Sachsen-Coburg, zur Belagerung von Dünkirchen ab. Er erlitt jedoch 8. Sept. 1793 durch Houchard bei Honscoote eine Niederlage und mußte sich 1794 hinter die Maas zurückziehen und endlich in Curhaven einschiffen. Dennoch machte ihn der König 1795 zum Feldmarschall und Oberbefehlshaber des brit. Heers, vertraute ihm auch 1799 das Kommando über die Expedition nach Holland an, der sich ein russ. Hilfskorps unter Essen beigesellte. Nachdem er auch diesmal von Brune 19. Sept. bei Bergen und 6. Okt. unweit Alkmaar geschlagen worden, schloß er 18. Okt. die Kapitulation von Alkmaar. Einige Jahre später verursachte dem Prinzen die Veruneinigung mit seiner Maitresse, einer Mrs. Clarke, die dem Oberst Wardle Mitteilungen über die Heeresverwaltung gemacht hatte, einen außerordentlichen Skandal. Wardle denunzierte 27. Jan. 1809 vor dem Unterhause, dessen Mitglied er war, arge Veruntreuungen in der Kriegsverwaltung. Das Unterhaus bestellte eine Kommission zur Untersuchung und ließ die Clarke wiederholt als Zeuge gegen den Herzog erscheinen. Wiewohl das Haus mit einer Majorität von 82 Stimmen ein Nichtschuldig aussprach, legte doch der Herzog die Oberbefehlshaberstelle 20. März nieder. Im Mai 1811 wurde er indes von seinem Bruder, dem damaligen Prinz-Regenten, in die Würde eines Oberbefehlshabers der Landmacht abermals eingesetzt. Er traf eine Menge zweckmäßiger Anordnungen in dem Haushalte der Armee und erhielt dafür 1814 im Parlament eine öffentliche Danksagung. In der Sitzung von 1825 erklärte er sich im Oberhause heftig gegen die Katholikenemancipation, was um so mehr die öffentliche Meinung berührte, als er seit dem Tode der Prinzessin Charlotte(6. Nov. 1817), der Tochter Georgs IV., die nächsten Ansprüche auf die Thronfolge hatte. Indessen starb er schon 5. Jan. 1827. Von seiner Gemahlin, die 6. Aug. 1820 starb, hinterließ er keine Kinder. Seitdem ward der Titel eines Herzogs von Y. nicht wieder vergeben.