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GeschichteBrockhaus 1882

Suffolk, ein engl. Grafen⸗ und Herzogstitel, den verschiedene Häuser führten. Zuerst besaßen die Cliffords den Grafentitel, die ihn aber gegen die Mitte des 14. Jahrh. verloren. Der Titel gelangte hierauf an die Familie Pole, die von William Pole, einem reichen Kaufmann zu Hull, abstammte. Michael de la Pole, der Enkel desselben, war ein Günstling Richards II. und erhielt das Kanzleramt, sowie 1385 die Würde eines Grafen von S. Die gegen den König verbündeten Lords entsetzten ihn jedoch 1386 seines Amts und nahmen ihm auch die Güter. Er starb 1388. — Sein Sohn, Michael, Graf von S., erhielt das eingezogene Vermögen teilweise zurück und starb 1415. Er hinterließ drei Söhne, darunter William, erst Graf, dann Herzog von S., der am Hofe Heinrichs VI. zu großem Einfluß gelangte, im Genuß der Gunst der Königin Margarete den Rurzte Humphrey Gloucester, des Königs Oheim, rzte und die Regierung ganz an sich riß. Er erlag einer Anklage auf Hochverrat und ward ermordet (2. Mai 1450). — Sein Sohn, Jack, Herog von S., heiratete Elisabeth, die älteste Schwesier Eduards IV., und wurde ein eifriger Parteigenosse des Hauses York. — Jack de la Pole, Graf von Lincoln und Herzog von S., Sohn des vorigen, wurde seiner mütterlichen Abstammung wegen von Richard III. zum künftigen Thronfolger erklärt. Die Schlacht bei Bosworth entschied jedoch für den Lancaster Heinrich VII. und S. mußte sich zu seiner Mutter Schwester, der Herzogin von Burgund, nach Flandern retten. Von hier aus setzte er 1487 nach England über, verband sich mit den Anhängern des Prätendenten Simmel und zo mit einem Korps von 8000 Mann gegen Vork. Heinrich VII. vernichtete ihn jedoch in der blutigen Schlacht bei Stoke in Nottingham 6. Juni 1487.— Sein Bruder, Edmund de la Pole, Graf von S., sah sich stets von Heinrich VII. verfolgt. In eine Verschwörung, die entdeckt wurde, verwickelt, floh er 1501 zu Erzherzog Philipp von Esterreich, der ihn unter der Bedingung auslieferte, daß man ihn nicht töte. Seitdem schmachtete er im Tower, wo ihn Heinrich VIII. 1513 enthaupten ließ. Heinrich VIII. verlieh 1513 den Titel eines Herzogs von S. seinem Günstling, dem Ritter Charles Brandon. Derselbe mußte im Dez. 1514 die schöne Prinzessin Marie, die jüngste Schwester Heinrichs VIII., zu ihrer Vermählung mit Ludwig XII. nach Frankreich geleiten. Nachdem aber Ludwig XII. 1. Jan. 1515 gestorben, erhielt er selbst die Hand der Prinzessin. Franz I. von Frankreich hatte diese Heirat gefördert und wirkte dem Paare auch die Verzeihung Heinrichs VIII. und die Rückkehr nach England aus. S. begleitete später seinen königl. Schwager mehrmals auf den Feldzügen nach Frankreich. Er hinterließ bei seinem Tode 1545 aus der Ehe mit der Prinzessin zwei Töchter, von denen die ältere, Franziska, Henry Gray, Marquis von Dorset, heiratete. Derselbe wurde während der Regierung Eduards VI. durch seine Verbindung mit dem Herzog von Northhumberland 1551 zum Herzog von S. erhoben. Northumberland bewog 1552 Eduard VI., seine beiden Schwestern, Maria und Clisabeth, von der Thronfolge auszuschließen und seine Verwandte, Lady Johanna Grey, die Tochter S.s, zur Thronfolgerin zu ernennen. Nachdem diese Vorbereitung getroffen, mußte Johanna 1553 den jüngsten Sohn Northumberlands, den Lord Guilford Dudley, heiraten. Als bald darauf Eduard VI. starb, ließ zwar S. seine Tochter durch Northumberlands Beihilfe zur Königin proklamieren; allein die Entschlossenheit der Prinzessin Maria machte dieser Usurpation ein baldiges Ende. Wiewohl Johanna und deren Gemahl verurteilt wurden, hegte doch die Königin Maria anfangs nicht die Absicht, ihre Verwandten auf das Schafott zu schicken. S. erhielt sogar die Freiheit zurück. Um seine Tochter aus dem Gefängnis auf den Thron zu setzen, beteiligte er sich indessen an der Empörung des Thom. Wiat. Die Königin ließ ihm hierauf den Prozeß machen und, nachdem fünf Tage vorher seine Tochter hingerichtet worden, auch ihn 17. Febr. 1554 enthaupten. — Jakob J. verlieh 1603 den Titel eines Herzogs von S. an Lord Thomas Howard de Walden, bei dessen Nachkommenschaft die Würde seitdem blieb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 357Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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