FeedZachariä (Just Friedr. Wilh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Zachariä (Just Friedr. Wilh.), deutscher Dichter, geb. 1. Mai 1726 zu Frankenhausen im Fürstentum Schwarzburg, studierte von 1743 an in Leipzig die Rechte, beschäftigte sich aber fast ausschließlich mit schöner Litteratur und Dichtkunst. Sein erstes größeres Werk, das Gottsched, zu dessen Schule er sich anfangs hielt, in den „Belustigungen des Verstandes und Witzes» bekannt machte (1744), war (Der Renommiste (neue Ausg., Berl. 1840), ein komisches Heldengedicht, der erste, wiewohl unvollkommene Versuch dieser Art in Deutschland, wobei er Pope zum Vorbilde hatte. Doch bald trennte sich Z. von Gottsched und trat in Verbindung mit jenen jungen Männern, die damals in Leipzig einen bessern Geschmack in Deutschland vorbereiteten. Später entstanden seine andern komischen Heldengedichte (Phaetono, Das Schnupftuchb und »⸗Murner in der Hölles. Nachdem er sich ein Jahr in Göttingen u Draunsch wurde er 1748 Lehrer am Carolinum zu Braunschweig und 1761 Professor der Litteratur; auch führte er mehrere Jahre die Aufsicht über die Buchhandlung und Buchdruckerei des Waisenhauses daselbst. Er starb 30. Jan. 1777. Das meiste Talent hatte 9 für das komische Heldengedicht; minder glücklich war er in der beschreibenden Poesie. Seine besten Gedichte dieser Art sind die „Tageszeiteno und Die vier Stufen des weiblichen Alterss. Auch hat man von ihm musikalische Gedichte, die er 1 Teil selbst in Musik setzte, und leichte, gefällige Lieder. Seine Sprache war rein, 9500l nicht immer korrekt. Seine Übersetzung von Miltons Paradise losto in Hexametern ist matt, untreu und unharmonisch. Nicht ohne Verdienst dagegen sind seine Fabeln und Erzählungen in Burkard Waldis' Manier⸗ (Orgunschw. 1774). Er hatte den glücklichen Gedanken, das Andenken deutscher Dichter zu erneuern, und gab die nach seinem Tode von Eschenburg fortgesetzte Sammlung Auserlesene Stücke der besten deutschen Dichter von Opitz bis auf gegenwärtige Zeiteno (2 Bde., 1766—71) heraus. Die erste vollständige Sammlung seiner poetischen Schriften erschien in neun Bänden (Braunschw. 1763—65), eine zweite verbesserte Auflage in zwei Bänden (Braunschw. 1772). Nach seinem Tode erschien noch ein Band »Hinterlassener Schriftend (Braunschw. 1781), herausgegeben von Eschenburg und begleitet von Z.s Lebensbeschreibung. Zachariä von Lingenthal (Karl Salomo), hervorragender chte die Füri geb. 14. Sept. 1769 zu Meißen, besuchte die Fürstenschule und studierte zu Leipzig Rechtswissenschaften. Er verließ Leipzig zu Ostern 1792 und begleitete als Führer den Grafen zur Lippe auf die Universität zu Wittenberg, wo er abermals zwei Jahre studierte. Nachdem der Graf in Kriegsdienste getreten, habilitierte sich 3. 1794, wurde 1797 außerord. und 1802 ord. Professor der Rechte in Wittenberg. Vorzüglich erwarb er sich durch seine Schrift Die Einheit des Staats und der Kircher (Lpz. 1797), der ein Rachtrag über die evang. Brüdergemeined (Lpz. 1798) folgte, und sein (Handbuch des kursächs. Lehnrechts (Lpz. 1796; 2. Aufl. von Chr. Ernst Weiße und F. A. von Langenn, Lpz. 1823) einen geachteten Namen. Im N 1807 ging er als Professor nach Heidelberg. Unter seinen spätern Schriften sind besonders her3, Aun. do das «Handbuch des franz. Civilrechtsv (7J. Aufl. von Dreyer, 4 Bde., Heidelb. 1886—87), »Vierzig Bücher vom Staaten (5 Bde., Stuttg. 1820 —32; 2. Aufl. w1839—42) und der Entwurf eines Strafgesetzbuchs» (Heidelb. 1826). Eine Zeit lang war er Abgeordneter in der Ersten und später in der Zweiten Kammer des Großherzogtums Baden. Im J. 1842 wurde er unter Verleihung des Namens von Lingenthal in den erblichen Adelssand erhoben. Er starb 27. März 1843. Sein «Biographischer und jurist. Nachlaßo wurde von seinem einzigen Sohne K. E. Zachariä herausgegeben (Stuttg. 1843). Vgl. noch Brocher, K. S. Zachariae, sa vie et ses œuvreso (Par. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 823Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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