FeedZehn
ReligionBrockhaus 1882

Zehn ist zufolge dem dekadischen Zahlensystem (dem System der 10 Finger) die Zahl der Vollendung und des Abschlusses, weil nach diesem System die 11, 12 u. s. w. nicht neue Zahlen, sondern nur eine Wiederholung der 1, 2 u. s. w. vorstellen. Bei den Pythagoreern teilte die Dekas oder Zehnahl einerseits den Charakter der Pentas oder Fünf (s. d.W als deren Verdoppelung, andererseits den der Tetras oder Vier (s. d.) als deren Zergliederung, weil aus der Addition von 1 +2 +3 + 4 die 10 als Summe entspringt. Drittens sah man in ihr zugleich das Bild einer sich expandierenden Entwickelung oder Entfaltung aller Zahlenverhältnisse überhaupt. In dieser Weise ist sie aufgefaßt in der aus dem Neupythagoreismus hervorgewachsenen jüd. Kabbala, wo sie das Schema der Schöpfung darstellt. Denn dies erfolgt durch zehn Emanationen oder Ausstrahlungen aus dem Urgeiste (dem Ensoph), welche die zehn Sephiroth (d. h. die zehn Urzahlen) genannt werden. Diese Lehre von den zehn Urzahlen ist später von den Philosophen der Reformationszeit, Johann Reuchlin und Agrippa von Nettesheim, erneuert worden, denen auch Giordano Bruno und Jakob Böhme hierin gefolgt sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 849Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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