FeedZelt
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Zelt ist eine aus Leinwand mit Zuhilfenahme von Stangen aufgeführte Bedachung, welche vorübergehenden Zwecken dient. Im gewöhnlichen Leben bedient man sich der Z. als Schutzes gegen die Witterung, unter anderm bei Jahrmärkten, bei Festlichkeiten, welche im Freien abgehalten werden, in neuerer Zeit auch zur Unterbringung von Kranken. Eine besondere Rolle spielen die 3. als Behausung von Truppen im Felde und bei übungslagern. Die Bestandteile des Z. sind das Gerüst, der Mantel und die Befestigungsmittel. Das Gerüst besteht aus Holz oder Eisen, der Mantel aus wasserdichtem, dabei aber luftdurchlässigem Stoff, wie Leinwand, Drillich, Baumwolle, und wird einfach oder doppelt genommen. Die Befestigungsmittel bilden Leinen und besonders geformte Pflöcke (auch Heringe genannt). Z. haben entweder eine runde oder eine viereckige Gestalt. Erstere sind kegelförmig, entweder vom Boden ab, oder erst in einer gewissen Höhe über letzterm beginnend, wo hingegen dann der untere Teil, das sog. Knie, der M abfällt. Als Gerüst dient alsdann eine in der Mitte angebrachte senkrechte Stange, an welcher bei Militärzelten auch die Vorrichtungen zum Unterbringen des Gepäcks befestigt sind. Vom obern Ende der Zeltstange aus wird det Mantel nach unten geführt und mittels Leinen straff an die Heringe gebunden; bei Zelten mit Knie hat der Mantel an diesem Teil eine besondere Befestigung, welche auch ein leichtes Lüften des Z. gestattet. Die viereckigen Z. steigen häusig vom Boden aus ntrechte Et auf und haben dann als Gerüst zwei senkrechte Stangen und eine wagerechte oder Firststange; solche Z. heißen Markisenzelte. Viereckige 3. kommen auch mehr in Hausform, mit senkrechten Wänden und darüber befindlichem Dach vor, sie haben dann als Gerüst vier senkrechte Eckpfeiler und einen höhern Mittelpfeiler. Auch kommen viereckig-pyramidale Z. vor. Die den militärischen Zwecken dienenden Z. sind für 10—15 Mann bestimmt; man hat auch kleinere, sog. wenuchn (frz. tente abri), welche zwei bis vier Mann aufnehmen, eernee der Nacht benutzt und deren Teile beim Marsche auf die einzelnen Zeltgenossen verteilt werden. Als Krankenzelte dienen entweder Markisenzelte oder solche in Hausform. Die Thür eines Z. wird durch eine Leinwandklappe hergestellt. Man hat auch Wach⸗, Trommel⸗, Sattel⸗, Gewehrzelte. Die Lagerung der Truppen unter Zelten (Zeltlager) war bis Ende des vorigen Jahrhunderts allgemein üblich und hatte die Mitführung des Zeltmaterials einen gewaltigen Troß im Gefolge. Napoleon I. verschaffte der Kriegführung durch Abschaffung der Zeltlagerung und Einführung des Freilagers eine wesentlich erhöhte Beweglichkeit. Sein Beispiel fand vielfache Nachahmung. Bei ihren Kämpfen in Algerien führten die Franzosen aus klimatischen Rücksichten die einer Idee des Marschalls Bugeaud entsprungenen Schutzzelte für drei bis vier Mann ein, welche auch in Italien üblich sind. Die deutsche Armee hat in ihrer neuesten Ausrüstung die Idee der Schutzzelte gleichfalls angenommen. eltdach, s. unter Dach. elter (vielleicht von dem iberischen thieldo, d. h. sanftgehendes Pferd), Bezeichnung für ein Paradepferd, welches bei festlichen Gelegenheiten den Reiter oder noch häufiger eine Reiterin in ruhigem Schritt trägt. elter (Karl Friedr.), Gesangskomponist, geb. zu Berlin 11. Dez. 1758, der Sohn eines Maurers, besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium, betrieb anfangs die Profession seines Vaters, später daneben die Musik, in welcher er sich an Fasch, den Begründer und Leiter der berliner Singakademie, eng anschloß, nach dessen Tode (1800) er auch die Direktion dieses Instituts übernahm. Dasselbe wurde unter ihm ein Musterbild für ähnliche private Gesangvereine, welche seit 1800 in Deutschland entstanden. Das Wort Liedertafel rührt ebenfalls von Z. her, denn er stiftete den ersten Verein dieser Art. Für den Lieder⸗ und Gesellschaftsgesang hat er Bedeutendes geleistet. Zu seinen Schülern gehörte auch Felix Mendelssohn-Bartholdy. Er starb 15.Mai 1832. Sein gesunder Menschen-und Kunstverstand, sowie sein origineller, biederer Charakter erwarben ihm die vertraute Freundschaft Goethes, wovon der »Briefwechsel zwischen Goethe und Z. in den J. 1796 —1832 „C (6 Bde., Berl. 1833—34) ein bleibendes Denkmal ist. Vgl. Rintel, «Karl Friedrich Z. (Berl. 186).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 892Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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