Zisba, Insekt, s. Cikade. iska, eigentlich Zizka (sprich Shishka, Joh.), der Feldherr der Hussiten, stammte aus einem niedrigen adeligen Geschlecht und wurde um 1360 auf einem seinen Eltern gehörenden Meierhofe zu Troznow im Budweiser Kreise geboren, der Sage nach im Freien unter einer Eiche. Als Knabe verlor er das rechte Auge, hieß aber nicht deshalb, wie man fälschlich behauptet hat, Z., welches vielmehr sein Geschlechtsname war und erst nach ihm die Bedeutung des Einäugigen erhielt. Er kam als Page nach Prag an den Hof des Königs Wenzel, og als Freiwilliger dem Deutschen Orden gegen die Polen und Litauer zu Hilfe und nahm teil an dem Treffen bei Tannenberg 1410. Dann kämpfte er in den Kriegen der Ungarn wider die Türken und mit den Engländern gegen die Franzosen bei Azincourt 1415. Das Mißvergnügen eines großen Teils des czechischen Volks über das Schicksal des Huß und Hieronymus ergriff auch ihn, und bald galt er neben Nikolaus von Hussinez als das Haupt der Hussiten (s. d.). Z. organisierte seine Streitkräfte und ließ auf den Anhöhen von Austie eine Befestigung anlegen, die er Tabor nannte, wovon die strengere Partei der Hussiten den Namen Taboriten erhielt. Z. war der begabteste Feldherr der Hussiten und wußte namentlich die Wagenburg auf das geschickteste in Anwendung zu bringen, durch welche er, bei gänzlichem Mangel an Reiterei, sein Fußvolk gegen feindliche Angriffe sicherte. Um Prag gegen den Kaiser Sigismund, der mit einem großen deutschen Kreuzheer anrückte, zu verteidigen, vers chanzte Z. sich auf dem Berge Witkow. Mit angeblich 4000 Mann schlug er hier 14.Juli 1420 die wiederholten Stürme von 30000 Mann zurück, und jener Ort heißt deshalb jetzt noch der Ziskaberg. Am 1. Nov. 1420 chlug er Sigismund bei Pankratz und den Tag darauf eroberte er die Bergfeste Wyschehrad bei Prag, und es fielen damit die vier ersten Kanonen, die seit der Erfindung des Schießpulvers nach Böhmen gekommen, in seine Gewalt. Nach dem Tode des Nikolaus von Hussinez 1421erkannten alle Hussiten Z. als ihr Oberhaupt an. Bei der Belagerung des Schlosses Raby verlor er durch einen Pfeilschuß auch sein zweites Auge. Jetzt ließ er sich bei den Gefechten auf einem Karren fahren, sodaß er von seinen Leuten gesehen werden konnte, und nach der Beschreibung, die man ihm von der Gegend machte, ordnete er die Stellung des Heeres an. Ein beträchtliches Heer, das Kaiser Sigismund aufs neue wider ihn schickte, schlug er bei Deutschbrod 8. Jan. 1422 und drang in demselben — selbst in Mähren und Osterreich ein. Als die Prager seinem Willen nicht gehorchten, demütigte sie der blinde Heeresfürst durch mehrere Niederlagen und zwang die Stadt 1424, sich zu unterwerfen. Sigismund bot ihm endlich die Statthalterschaft von Böhmen an, wenn er sich für ihn erklären wolle. Als Z. Przibislaw im Czaslauer Kreise belagerte, überfiel ihn eine pestartige Krankheit, an welcher er 11. Okt. 1424 starb. Die über diesen Verlust rasenden Taboriten erstürmten und verbrannten die Stadt und hieben alles nieder. Z. hatte 13 Schlachten gewonnen und in mehr als 100 Gefechten gesiegt; nur ein einziges mal, bei Kremsier in Mähren, mußte er weichen. Von seinem finstern Charakter und seiner Grausamkeit weiß die spätere Geschichte und Sage nicht Schreckliches genug zu berichten. Er wurde in der Kirche zu Czaslau begraben und fein Lieblingsgewehr, ein eiserner Streitkolben, über seinem Grabmal aufgehangen. Das Grabmal selbst ward 1623 auf kaiserl. Befehl abgebrochen und Z.s Gebeine fortgeschafft. Die Enthüllung seines Denkmals bei Przibislaw fand 20. Sept. 1874 unter großer Beteiligung der Jungezechen statt. Vgl. Millauer, Diplomatisch-histor. Aufsätze über Johann 3.9 (Prag 1824). Alfred Meißner hat 3.8 Leben in einem Epos: Ziskay (7. Aufl., Wien 1867), poetisch behandelt. Die gründlichste Biographie 3.8 veröffentlichte Tomek in czechischer Sprache (Prag 1879; deutsch von Prohazka).