FeedZobten
ErdkundeBrockhaus 1882

Zobten, im weitern Sinne ein im Regierungsbezirk Breslau, in der Mitte der preuß. Provinz Schlesien zwischen den Flüssen Peile, Weistritz und Lohe (Zlenza) aus einer fruchtbaren Ebene aufsteiendes isoliertes Gebirge. Der höchste Punkt deselben, der eigentliche Z. (718 m), welcher seinen Namen von dem slaw. Gora sobotka, d. h. Feuerberg, hat, gewährt von seinem kegelförmigen Gipfel eine schöne Aussicht auf die Bergkette der Sudeten und einen großen Teil Schlesiens. Auf ihm wurden in der heidn. Zeit die heiligen Feuer angezündet und Opferfeste gefeiert. Mehrere noch vorhandene Granitfiguren aben wahrscheinlich dem heidn. Kultus gedient. Herzog Boleslaw III. gab 1103 den Berg dem Grafen Peter Wlast zu Lehn; dieser gründete 1109 auf demselben ein Augustinerkloster, das, als die Mönche es um 1150 wegen des rauhen Klimas verließen und nach Breslau übersiedelten, zu einer Burg umgewandelt, später von Raubrittern besetzt und 1471 durch die Breslauer und Schweidnitzer zerstört wurde. Das 1702 auf derselben Stelle erbaute und 1834 vom Blitz in Brand gesetzte Kirchlein ist seit 1852 wiederhergestellt. Die nächsthöchsten Punkte des Gebirges sind der sehr steile Geiersberg (572 m), der Stoll⸗, Mittel⸗ und Engelsberg, ferner der Költschenberg mit einer vielbesuchten Aussicht, der Karls⸗ und der Weinberg. Die Stadt Zobten (am Berge), am nördl. Fue des Z., im Kreise Schweidnitz, Station der inie Breslau-Ströbel der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, einer königl. Oberförsterei und eines Steueramts und zählt (1885) 2367 CE., welche Ackerbau, Fabrikation von Handschuhen und landwirtschaftlichen Maschinen betreiben; seit neuester Zeit wird Z. auch als Sommerfrische stark benutzt. Z. erhielt 1399 vom König Wenzel von Böhmen Stadtrecht. Im J. 1813 bildete sich in dem Städtchen das Lützowsche Korps; zum Andenken daran wurde 1863 ein Obelisk aus Granit errichtet. Die Häuser, welche Theodor Körner 1813 und van der Velde 1818—23 bewohnten, erhielten 1878 Gedenktafeln. Dem schlesischen Dialektdichter Robert Rößler wurde 1884 ein Denkmal errichtet. Vgl. Sadebeck, Der Zobtenberg und seine Umgebung⸗ (Bonn 1856); Gühmann, Der Zobten (Zobten am Berge 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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