FeedZwerg
TierreichBrockhaus 1882

Zwerg heißt ein Mensch von sehr kleinem Wuchse. Mit der abnormen Zwerghaftigkeit pflegen sich meist noch Mißbildung, dicke Köpfe, kleine Beine u. dgl., zu verbinden, sowie auch die geistige Ausbildung in der Regel gering bleibt, während gewisse moralische Fehler stärker hervortreten; auch erreichen Z. selten ein 3. w1 Alter. Dem deutschen Mittelalter galten Z. wie Krüppel weder für lehns⸗ noch für erbfähig, mußten aber von ihren nächsten Verwandten, die statt ihrer erbten, ernährt und verpflegt werden. Später, in den Zeiten der Hofnarren, wurden Z. zur Ergötzung an den Höfen gehalten; heutzutage lassen sie sich vielfach für Geld sehen. Eine wichtige Rolle spielen die Z. in der Mythologie, namentlich in der deutschen. Nach der Kosmogonie der Edda entstehen die 3. wie Würmer in Amirs Fleische, während die Schöpfung des Menschen erst später erfolgt. Die Z. schmieden den öttern dasjenige Gerät, dessen diese zu ihrer weltordnenden und erhaltenden Thätigkeit bedürfen: dem Odin den siegverleihenden Speer Gungnir, dem Donnergotte Thor den Hammer Miölnir (der Donnerkeil), dem Freyr das Luft⸗ und Wolkenschiff Skidhbladhnir, welches sich wie ein Tuch zusammenfalten läßt, der Erdgöttin Sif, der Loki das Haupthaar abgeschnitten hatte, neues goldenes Haar (Gras, Blätter und Blumen des Lenzes). Sie stehen unter eigenen Königen und wohnen im Innern der Erde, in Höhlen und Felsen, wo sie prächtige, mit metallischen Schätzen und Kunstwerten ausgestattete Gemächer anlegen, wundersame Waffen schmieden u. dgl. Vgl. Grimm, Deutsche Mythologier (4. Aufl., 3 Tle., Berl. 1875 — 78); Kuhn, «Die Sprachvergleichung und die Urgeschichte der indogerman. Völker» in der KZeitschrift für vergleichende Sprachforschunge (Bd. 4, Berl. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 975Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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