FeedZwiebel
PflanzenreichBrockhaus 1882

Zwiebel (bulbus) heißt in der Botanik eine Knospe, die auf einem zur bloßen Scheide verkürzten, nach unten Wurzelfasern treibenden Stamme Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. (Zwiebelstock oder Zwiebelkuchen) steht. Umgeben ist dieser Stamm von fleischigen Blättern, den sog. Zwiebelschalen, die bald als konzentrische Schalhäute, bald als fleischige Schuppen auftreten, und deren äußerste Schicht, während von innen junge Blätter nachwachsen, zu einer zähen Decke vertrocknet. Zwiebelknollen nennt man solche 3., die mit dem Zwiebelstock eine einzige, feste, fleischige, von Häuten umgebene Masse ausmachen. Die in den fleischigen Blättern der Z. angehäuften Reservestoffe dienen zur Ernährung der jungen aus der Z. emporwachsenden Pflanze. Diese Nahrungsstoffe erhalten aber auch den Z., wenn sie, vor dem völligen Vertrocknen geschützt, außerhalb des Bodens aufbewahrt werden, ihre Lebenskraft oft jahrelang. Außer der Vermehrung durch Samen pflanzen sich Zwiebelgewächse auch durch Knospen fort, die der einjährige oder ausdauernde Zwiebelstock neben der Hauptzwiebel treibt. In den Winkeln der Zwiebelblätter bilden sich ferner kleine Brutzwiebeln, die sich erst nach hinlänglichem Wachstum von der Mutterzwiebel trennen und häufig durch fadenförmige Stiele eine Zeit lang mit ihr verbunden bleiben. Ahnliche Gebilde (Zwiebelknospen) finden sich auch in den Blattwinkeln der Oberstöcke von Pflanzen, die nicht zu den Zwiebelgewächsen gehören, z. B. des zwiebelknospigen Steinbrechs (Saxitra Aarmnch. Diese dienen zur vegetativen VBermehrung der betreffenden Gewächse. Die meisten Zwiebelgewächse sind monokotyle Pflanzen, aus der Familie er Liliaceen. Im gemeinen Leben nennt man Zwiebel kurzweg die seit den ältesten Zeiten allgemein als Küchengewürz zepel a emeine Garten- oder Gemüsezwiebel, auch Bolle, Cipolle genannt (Allium Cepa L.), die einen 60 — 90 em hohen aufgeblasenen Schaft, grundständige, hohlweidart Blätter und eine vielblütige Straußdolde weißgrünlicher Blüten trägt. Sie kommt in mannigfachen, in Größe, Gestalt und Farbe verschiedenen Abarten, vornehmlich als runde und lange (birnförmige), weiße, gelbe, rote, dann abgeplattete, große und kleine vor, von welchen namentlich zu nennen sind: ägyptische, spanische, Kopfzwiebel, Madeirazwiebel, St.⸗James, Waunge silberweiße holländische, dunkelrote ulmer, lange gelbe Birnzwiebel u. s. w., wird als Gewürz wie als eigenes Zugemüse gegessen und gibt unter anderm in den außern Schalen das Pigment zum Gelbfärben der Eier. Die Kultur der Z. ist über die ganze Erde verbreitet und wird in Europa namentlich in den südlichern Ländern in großem Maßstabe betrieben. Die Z. erfordern zu ihrem Gedeihen einen guten, fetten, jedoch nicht frisch gedüngten Boden und eine sonnige, warme Lage. Man vermehrt sie teils durch Samen, teils durch Brutzwiebeln (Steck⸗ oder Satzzwiebeln). Zu den Z. gehören als besondere Arten: die Schalotte, der Porree oder Lauch, der Perllauch, der Schnittlauch, der Hohllauch (Winterzwiebel) und der Knoblauch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 977Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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