FeedKalisch (poln. Kalisz)
GeschichteBrockhaus 1882

Kalisch (poln. Kalisz), Hauptstadt des poln. Gouvernements gleichen Namens, an drei Armen der Prosna und an der preuß. Grenze in einem herrlichen Thale, eine der schönsten Städte des Landes, zählt (1882) 18 840 E., worunter 6301 Juden, hat fünf röm.⸗kath. Kirchen, eine russ. und eine evang. Kirche, ein Gymnasium, eine höhere Töchterschule, eine Realschule, einen großen Park mit schönen Spaziergängen, eine Dampfbierbrauerei, eine Tuchfabrik, eine Bandfabrik und mehrere Lederfabriken. Die Stadt ist sehr alt und vielleicht das Calisia, das bei Plinius dem Jüngern und bei Ptolemäus (Calissia an der Prona) vorkommt. Gegen das J. 1000 erbaute Boleslaw Chrobry in der Altstadt, auf künstlich gebauten Wällen ein festes Schloß, von dem noch Trümmer vorhanden sind. In der Schlacht bei K. wurde 29. Okt. 1706 der schwed. General Mardefeld von König August II. von Polen und dem russ. Feldmarschall Menschikow geschlagen und gefangen genommen. Auch ist K. denkwürdig wegen des daselbst abgeschlossenen Allianztraktats zwischen Preußen und Rußland vom 28. Febr. und der Zusammenkunft der Monarschen beider Staaten, Kaifer Alexander l. von Rußland und Friedrich Wilhelm III. von Preußen, 2. April 1813. Am 11. und 13. Sept. 1831 fanden hier Gefechte zwischen Russen und Polen statt. An das hier 1835 gehaltene glänzende Lustlager russ. mißt, sind unter C aufzusuchen. und preuß. Truppen erinnert ein Obelisk aus Gußeisen, der 1841 von Kaiser Nikolaus I. errichtet ward. Das Gouvernement Kalisch zählt (1880)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 29Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6