FeedKarl Wilhelm Ferdinand
GeschichteBrockhaus 1882

Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig, 1780—1806, geb. zu Wolfenbüttel 9. Okt. 1735, der älteste Sohn des Herzogs Karl und der Prinzessin Charlotte, einer Schwester Friedrichs d. Gr., führte beim Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs die braunschw. Truppen zum Heere der verbündeten engl.⸗hannov. Armee und zeichnete sich seit 1758 unter dem Oberbefehl seines Oheims Ferdinand insbesondere in den Schlachten von Hastenbeck und Krefeld aus. Im J. 1764 vermählte er sich mit Auguste, Tochter des Prinzen von Wales und trat 1773 als General der Infanterie in preuß. Dienste. Nach seines Vaters Tode, 26. März 1780, übernahm er die Regierung und traf viele gute Maßregeln für das Wohl des Landes. Im J. 1787 setzte er an der Spitze eines preuß. Heers den Erbstatthalter der Niederlande wieder in seine Rechte ein. Beim Kriege gegen Frankreich 1792 erhielt er den Oberbefehl über das preuß. Heer. Dasselbe drang anfangs bis in die Champagne vor, eroberte Longwy und Verdun, wurde aber, nach der fruchtlosen Kanonade bei Balmy 20. Sept., durch Mangel und Krankheit zum Rückzuge genötigt. Custine brachte hierauf Speier und Worms, auch 21. Okt. die Festung Mainz und darauf Frankfurt a. M. in seine Gewalt, welches letztere jedoch 2. Dez. von den Preußen und Hessen wiedererobert wurde. Den Feldzug von 1793 eröffnete der Herzog gemeinschaftlich mit den Osterreichern am Oberrhein. Er ließ Mainz durch Kalckreuth wiedererobern und suchte Landau zu nehmen, schlug 14. Sept. Moreau bei Pirmasens, eroberte gemeinschaftlich mit Wurmser 13. Okt. die Weißenburger Linien und schlug bei Kaiserslautern den franz. General Hoche, wurde aber schließlich von Pichegru zum Rückzug gezwungen. Infolge des Vertrags von Haag legte er Anfang 1794 den Oberbefehl nieder, den hierauf Möllendorf übernahm. Im J. 1806 trat er beim Ausbruch des Kriegs als Oberbefehlshaber an die Spitze des preuß. Heers, übernahm aber damit Lasten, die seine Kräfte überstiegen. In der Schlacht bei Auerstädt durch einen Schuß beider Augen beraubt, mußte er sein Erbland beim Vordringen der Franzosen verlassen und beschloß sein Leben zu Ottensen bei Altona 10. Nov. 1806. In Braunschweig wurde ihm 1874 ein von Pönniger gefertigtes Denkmal (Reiterstatue) errichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 127Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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