FeedKarl (Friedrich August Wilhelm)
GeschichteBrockhaus 1882

Karl (Friedrich August Wilhelm), entthronter Herzog von Braunschweig, der ältere Sohn des Herzogs Friedrich Wilhelm und dessen Gemahlin Marie Elisabeth, der Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden, wurde 30. Okt. 1804 zu Braunschweig geboren und kam nach dem Tode des Vaters (16. Juni 1815 bei Quatrebras) unter die Vormundschaft des brit. Prinz-Regenten. Die ganze Jugendzeit des Herzogs, die er von 1814 bis 1820 in Braunschweig, von 1820 bis 1822 in Lausanne verlebte, war erfüllt mit allerlei Verirrungen. Als er für volljährig erklärt und ihm die Regierung des Herzogtums Braunschweig, das indessen von dem hannov. Minister Graf Münster regiert worden war, im Okt. 1823 übergeben worden, hob er 1827 das Geheimratskollegium auf, an dessen Spitze von Schmidt-Phiseldeck (s. d.) stand, zwang letztern zur Flucht nach Hannover und fing einen skandalösen Streit mit König Georg IV. und dem Grafen Münster an. Die Verfassung wollte er nicht anerkennen und kam dadurch in Konflikt mit den Ständen. Seine fürstl. Willkür galt ihm als oberstes Gesetz Sein Lebenswandel war höchst anstößig, seine Beamten teilweise unfähige und unmoralische Menschen, welche seine Eingriffe in das Justiz⸗ und Finanzwesen, den Verkauf von Domänen zu Gunsten seiner Privatkasse geschehen ließen. Als endlich der Bundestag die Beschwerden des Landes in Betracht zog, begab sich der Herzog 1829 nach Frankreich. Bei Ausbruch der Julirevolution in Paris 1830 kehrte er nach Braunschweig zurück, wo 7. Sept. ein Volksaufstand gegen ihn ausbrach, infolge dessen er den Thron verlor. (S. Braunschweig.) Während sein Bruder Wilhelm (s. d.) die Regierung fortführte, suchte K. in England Unterstützung. Als er hier diese nicht fand, erschien er wieder in Deutschland, näherte sich den braunschw. Grenzen und suchte das Volk durch Versprechung freisinniger Staatseinrichtungen zu gewinnen. Bei dem ersten Widerstande aber wich er zurück und begab sich Dez. 1830 nach Paris. Die Agnaten und der Deutsche nißt, sind unter C aufzusuchen. ind erklärten ihn für unfähig zur Regierung, die in April 1831 auf seinen Bruder Wilhelm förmlich überging. Von Paris ging K. 1831 nach Spanien, dann nach London und von da bald wieder nach Paris, wo er mehrmals zu skandalvollen Prozessen Anlaß gab. Am 18. Aug. 1873 starb er in Genf, wohin er 10. Aug. 1870 üÜbergesiedelt war. Sein bedeutendes, namentlich an Diamanten reiches Vermögen vermachte er, mit Übergehung seiner Verwandten, der Stadt Genf, mit der Verpflichtung, ihm auf einem öffentlichen Platze daselbst ein Reiterstandbild zu errichten, was 1879 geschah (Bronzestatue von Cain, auf der Place-des-Alpes aufgestellt). Am 27. März 1874 wurde das Testament ratifiziert, wobei einige der Nachlaßgegenstände des Herzogs, wie die Vase von Mantua und der Saphirring der Maria Stuart, an Braunschweig zurückgegeben wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 127Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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