FeedWilhelm I.
GeschichteBrockhaus 1882

Wilhelm I., König von Württemberg, 1816— 64, wurde 27. Sept. 1781 zu Lüben in Schlesien geboren, wo sein Vater, der nachmalige König Friedrich I. (s. d.) von Württemberg, damals als preuß. Generalmajor in Garnison lag; seine Mutter war die Prinzessin Auguste Karoline Friederike Luise von Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Verhältnisse seiner Familie führten den jungen ddh aus Schlesien nach Rußland, in die Schweiz, endlich 1790 nach Württemberg, dessen Regierung sein Vater 1797 übernahm. Der gebieterische Sinn des Vaters legte den Grund zu spätern Mißverhältnissen zwischen Vater und Sohn. Im J. 1800 trat W. auf einige Zeit als Freiwilliger in das österr. Armeekorps unter dem Erzherzog Johann und zeichnete sich in der Schlacht von Hohenlinden aus. Um dem häuslichen Druck zu entgehen, entsernte er sich vom Hofe und unternahm 1803 eine Reise nach Frankreich und Italien. Erst 1806, nachdem sein Vater die Königswürde angenommen, kehrte W. in das Vaterland zurück, wo er nun als Kronprinz bis 1812 zurückgezogen lebte. Auch seine Vermählung 1808 mit der Prinzessin Karoline Auguste von Bayern, von der er sich 1814 scheiden ließ und die nachher mit dem Kaiser Franz von Osterreich sich vermählte, änderte in seiner Lebensweise wenig. Als 1812 Napoleon 1. den Krieg gegen Rußland begann, mußte W. sich an die Spitze des württemb. Kontingents stellen. Nach dem Einrücken in das russ. Gebiet blieb er, gefährlich erkrankt, in Wilna zurück, von wo er nach seiner Genesung ins Vaterland zurückkehrte. Als nach der Schlacht bei Leipzig endlich auch sein Vater den Alliierten beigetreten, übernahm W. das Kommando des 7. Armeekorps, bestehend aus dem württemb. Kontingent und mehrern österr. und russ. Regimentern. In dem Feldzuge von 1814 zeichnete er sich bei La-Rothieére, Bar-sur-Aube, Arcis-sur-Aube, Fere-Champenoise, Vincennes durch persönlichen Mut und Feldherrnkunst aus, wurde aber bei Montereau durch die dreifache Übermacht Napoleons geschlagen. Im Feldzuge von 1815 hatte er das Kommando über das 3. Armeekorps im Elsaß. In Paris lernte er die Großfürstin von Rußland, Katharina Pawlowna, Witwe des Prinzen Peter von Holstein-Oldenburg, kennen, mit der er sich 1816 vermählte, die äber 1819 starb, nachdem sie ihm zwei Töchter geboren, Marie, geb. 1816, 1840 mit dem württemb. Generalmajor Alfred Grafen von Neipperg vermählt, Witwe seit 1865, und Sophie, geb. 1818, vermählt 1839 mit dem König Wilhelm III. der Niederlande, gest. 3. Juni 1877. Nach dem Tode seines Vaters 30. Okt. 1816 trat W. die Regierung mit der Erklärung an, daß er des Volkes Wohl gewissenhaft fördern werde. Die verworrenen Zustände des Landes wurden geregelt, Sparsamkeit und Ordnung eingeführt und die definitive Feststellung der Verfassung nach langen und mühevollen Verhandlungen 1819 geregelt. (S. Württemberg.) W. war ein modern und praktisch denkender, einsichtiger, einem mäßigen Liberalismus mit Überzeugung zugethaner Mann, welcher den Versuch machte, der Metternichschen reaktionären Bundespolitik Widerstand zu leisten und den beiden Großmächten eine liberale Gruppe von Mittel⸗ und Kleinstaaten (Trias) entgegenzustellen. Aber bei dem entschiedenen Vorgehen jener und der Uneinigkeit dieser sah er sich bald zum Rückzug genötigt. Er gehörte zu den bedeutendsten Fürsten seiner Zeit, und sein Land war eins der bestregierten. Preußen gegenüber zeigte er sich 1849 und 1850 sehr eifersüchtig auf die Wahrung seiner Souveränetätsrechte. Der König vermählte sich 15. April 1820 zum dritten mal mit Pauline, der Tochter seines verstorbenen Oheims, des Herzogs Ludwig von Württemberg (geb. 4. Sept. 1800, gest. 10. März 1873), aus welcher Ehe die Prinzessin Katharina, geb. 24. Aug. 1821, vermählt seit 1845 mit dem Neffen des Königs, dem Prinzen Friedrich von Württemberg, Witwe seit 9. Mai 1870, ferner sein Nachfolger, der König Karl (s. d.), und die Prinzessin Auguste, geb. 4. Okt. 1826, vermählt seit 17. Juni 1851 mit dem Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar, hervorgingen. W. starb 25. Juni 1864 auf dem Schlosse Rosenstein und wurde auf dem Rothenberge neben seiner Gemahlin Katharina bestattet. Vgl. König W. von Württembergo, in D. F. Strauß «Kleinen Schrifteno (Neue Folge, Berl. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 651Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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