FeedKertbeny
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Kertbeny (eigentlich Benkert, Karl Maria), Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1824, erlernte in Pest den Buchhandel, bereiste den Orient und Deutschland, wandte sich dann kurze Zeit der militärischen Carrière zu und lebte seit 1844, mit litterarischen Arbeiten beschäftigt, in verschiedenen Städten Italiens, der Schweiz, Frankreichs, Englands, Ssterreichs und Deutschlands. Seit 1874 unheilbar krank, starb K. 23. Jan. 1882 in Budapest. K.s Hauptverdienste bestehen in seinen deutschen Übersetzungen ungar. Dichter, wie Petöfi, Arany, Jökai u. a.; außerdem schrieb er: «Silhouetten und Reliquieno (2 Bde., Prag 1861—63), «Spiegelbilder der Erinnerung⸗ 145 1869), Große Leute, kleine Schwächeno (Berl. 1871) u. s. w. ertsch, die östlichste Landzunge der südruss. Halbinsel Krim (s. d.), welche mit der gegenüberliegenden Halbinsel Taman in Kaukasien die das Schwarze mit dem Asowschen Meere verbindende Straße von K. oder Jenikalé, früher auch Straße von Kaffa oder Feodosia (im Altertum der Kimmerische Bosporus) genannt, begrenzt und außer den altberühmten Städten Kaffa oder Feodosia (s. d.), K., Jenikalé und Arabat (s. d.) noch eine Menge von überresten enthält, die an die alte hellen. und röm. Vorzeit, an die Blütezeit der Venetianer und Genueser im Mittelalter, sowie an das Reich der Tataren erinnern, die hier ein Chanat gegründet hatten. Die Stadt K., deren Gebiet mit dem nahen Jenikalé eine eigene Stadthauptmannschaft mit einer (1882) 22449 Köpfe zählenden Pevölkerung bildet, hieß im Altertum Panticapäum oder Bosporus (daher noch russisch auch Wosfor genannt), und war als Hauptstadt des alten nißt, sind unter C aufzusuchen. Taurien erst Sitz des Bosporanischen, dann des Pontischen Reichs unter Mithridates und Pharnaces. Die jetzige Stadt K. liegt amphitheatralisch am Fuße des Mithridatesbergs, hat 3 griech., eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Museum für Altertümer, 14 Fabriken und einen sichern, geräumigen Hafen. K. treibt einen ziemlich bedeutenden Handel mit dem Auslande; wichtiger jedoch für die Stadt ist der Fischfang auf dem Asowschen Meere, sowie der Handel mit dem auf den benachbarten Salzseen gewonnenen Salze und vortrefflichen Bausteinen. Die Festung, welche den Hafen deckt, hat eine alte, aus der Zeit der Genueser stammende Kathedrale. Zahlreiche Säulentrümmer in der Umgebung scheinen auf die Stätte des Palastes des Mithridates zu deuten, an welchen König auch das Mithridatesgrab (der Goldene Hügel, Altan obo) erinnert, bei dessen Aufgrabung man 1830—34 und später sehr wertvolle Denkmäler mit Basreliefs und Inskriptionen, Statuen, Vasen u. s. w. aufgefunden. Am 25. Mai 1855 wurde K. von den Engländern und Franzosen besetzt, 11. bis 14. Juni geplündert und verwüstet, wobei das herrliche Museum zu Grunde ging. In neuester Zeit ist K. nach Entwürfen Todlebens mit neuen Befestigungen versehen worden und bildet im Verein mit Otschakow und Nikolajew die Basis für Operationen der Flotte des Schwarzen Meeres. Das Asowsche Meer wird durch die neuen Werke Lorpedrur Schiffen völlig versperrt, zum Teil durch orpedoanlagen. K. bildet jetzt ein geräumiges f K. and researches in the Cimmerian Bosphorus v (Lond. 1857). [Argun (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 244Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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