Kiew oder Kijew (poln. Kijow), ein erst 1796 meist aus Bestandteilen der poln. Ukraine gebildetes, 50998 akm großes Gouvernement, das mit „Tschernigow, Poltawa und Charkow Kleinrußland bildet, zeichnet sich durch mildes Klima und überaus fruchtbaren Boden vor den meisten andern eProvinzen des Russischen Reichs aus. Das Gou5vernement K. grenzt im N. an das Gouvernement „Minsk, im O. an Poltawa und Tschernigow, im iS. an Podolien und Cherson, im W. an Volhynien und Podolien und zerfällt in 12 Kreise. Das Land ist eine wellenförmige, vom Dnjepr und seinen Nebenflüssen, besonders dem Pripet, durchflossene und nur in der Nähe der Ströme von tiefen Schluchten durchbrochene Ebene, die außer Getreide reichlich Flachs, Hanf und Tabak, sowie Obst und Gemüse liefert und mit Laubgehölzen, trefflichen Weiden und Wiesen bedeckt ist. Ackerbau und Viehzucht sind die Hauptnahrungszweige der Bewohner. Industrie und Handel, früher sehr vernachlässigt, haben sich sehr gehoben. Es bestehen Zucker⸗, Tuch- und Leinwandfabriken, Gerbereien, Seifensiedereien und Fayencefabriken. Von den 120 Jahrmärkten, die im Gouvernement stattfinden, ist der größte und der berühmteste der zu K. vom 15. Jan. bis 1. Febr. (alten Stils), die sog. Kontrakte, die jedoch viel von ihrer frühern Bedentung verloren haben. Die Bevölkerung beträgt (1882) 2 581 766 Seelen und besteht aus Kleinrufsen (Bauern), Polen (Landedelleuten) und Großrussen (Bewohnern der Städte und größern Flecken). In den Städten leben auch viele Deutsche, Griechen und Armenier, Juden allerwärts. Katholiken gab es 1862 nur 92858, Cvangelische 1952, Juden 247 842, Mohammedaner 41; alle übrigen Einwohner bekennen sich zur griech. Kirche, die in der Hauptstadt einen Metropoliten besitzt. Die feste Hauptstadt Kiew, die alte Residenz der Großfürsten 882 —1155 und eine der ältesten Städte in Rußland, auf dem hohen rechten Dnjepr-Ufer gelegen, gewährt durch ihre Klöster und Kirchen mit vergoldeten und versilberten Kuppeln einen imposanten Anblick. Die Stadt ist Station der Bahn Kursk-K. und der Linie K.⸗Schmerinka der Russischen Südwestbahn, hat (1882) 127251 E., 36 öffentliche und 17 Hauskirchen und 8 Klöster, enthielt aber um 1018 eine ungleich größere Bevölkerung, gegen 400 Kirchen und hieß die Mutter aller Städte Rußlands. Tataren (Zerstörun K.s durch Batu 1240) und Polen brachen die Macht der berühmten Stadt und ließen keine Spur jener alten Pracht mehr übrig. K. gehörte feit 1386 zu Polen und wurde 1667 an Rußland abgetreten. Das jetzige K. besteht aus drei gesonderten Teilen, unter denen die Petscherskische Stadt mit der Festung, den Krongebäuden und dem berühmten nißt, sind unter C aufzusuchen. eidten öh die wichtigste ist. Sie liegt auf der teilsten Höhe des Ufers, das sich 80 m über den Dnjepr jäh erhebt. Der zweite Teil, Altkiew (Starjikiew), einst die Residenz der Großfürsten, ist jetzt der Sitz des Metropoliten, der nahe der prächtigen Sophienkirche wohnt. Die dritte Stadt, Podol, liegt auf der Ebene am Dnjepr und ist häufig den überschwemmungen des Flusses ausgesetzt. Diese untere Stadt ist der weitläufigste Teil von K. und zugleich der Sitz der seit 1588 bestehenden griech.⸗geistlichen Akademie, die unter dem Metropoliten steht. Auch konzentriert sich hier der ganze Handel und Marktverkehr. Der Stadtteil Kreschtschatik (Kreuzesstadt) schließt sich an den sog. Neubau und ist ausgezeichnet durch Eleganz und Luxus. Der vornehmste, nur vom Adel bewohnte Teil heißt die Lipki (die Linden), ein weiter Raum mit schönen Häusern und Gärten. Zu den interessantesten Gebäuden gehören: der Gouvernementspalast; die Kathedrale der heil. Sophie, das älteste Denkmal russ. Kunst, 1037 an der Stelle erbaut, wo der Großfürst Jaroslaw die Petschenegen schlug, im Innern ein Labyrinth von Säulen, Gewölben und Galerien, mit dem angeblichen Sarkophag Jaroslaw des Weisen; das hochberühmte petscherskische oder Höhlenkloster mit seinen Katakomben und der Grabstätte Restors; die Kathedrale zur Himmelfahrt Mariä, mit hoher Kuppel und prächtigem Glockenturm; die Georgskirche mit den Gebeinen Ypsilantis. über den Dnjepr führt eine 1848—51 nach dem Plane des engl. Ingenieurs Vignoles ausgeführte, 1082 mlange eiserne Hängebrücke. K. besitzt die erst 1834 gegründete Universität des heil. Wladimir mit einer Sternwarte (50 27“ 12 nördl. Br. und 30 30 14“ östl. L. von Greenwich), einer Bibliothek und andern Sammlungen, außer der erwähnten geistlichen Akademie auch ein Seminar, vier klassische, ein Realgymnasium und ein Kollegium, eine Kadetten-, eine Junker⸗, eine Feldscher⸗ und eine Landmesserschule, vier Kreis⸗ und vier Pfarrschulen, fünf weibliche Gymnasien, drei Konvikte, ein adeliges Fräuleinstift, vier Wohlthätigkeitsanstalten. Bemerkenswert ist noch das von Baron Klodt auf Befehl des Kaisers Nikolaus I. ausgeführte Denkmal Wladimirs I., das auf dem Platze steht, wo die Söhne Wladimirs getauft worden waren. Auch befinden sich in K. ein Arsenal, ein Theater, eine Börse, ein Kontrakthaus, viele Gärten, unter denen sich der kaiserliche auszeichnet, und 45 Fabriken. Berühmt sind die kiewschen eingemachten Früchte. Auch der Handel der Stadt ist bedeutend, befindet sich jedoch größtenteils in den Händen der Juden. Kiffhäuser, Berg, s. Kyffhäuser. Kijkduin, Fort bei Helder (s. d.). Kikelhahn, Bergkuppe des Thüringerwaldes, s. Gickelhahn. (s. u. Bank (geogr.).