FeedKirchenslawisch
ReligionBrockhaus 1882

Kirchenslawisch nennt man denjenigen slaw. Dialekt, in welchem am Ende des 9. Jahrh. von Cyrill, Method und ihren Schülern zuerst Bibelübersetzung und liturgische Bucher niedergeschrieben wurden. Unter den Gelehrten ist die Frage nicht entschieden, welchem slaw. Volke diese Sprache angehörte; Miklosich hält sie für den Dialekt der sog. pannonischen Slowenen (in alter Zeit um den Plattensee wohnend), andere Slawisten für den Dialekt der bulgar. Slawen des 9. Jahrh., in welschem Falle das heute Bulgarische Tochtersprache wäre. Je nach der verschiedenen Ansicht vom Ursprunge der Kirchensprache wird dieselbe bald Altslowenisch (oder Pannonisch-Slowenisch, bald Altbulgarisch genannt. Mit der Verbreitung der slaw. Liturgie unter den südlichen und östlichen slaw. tStämmen verbreitete sich auch das K. als Schriftsprache unter Stämmen, bei denen als Sprache des täglichen Lebens ein anderer slaw. Dialekt herrschte, ebei Bulgaren, Serben, Kroaten, Russen. Die Ab⸗ „schreiber der alten Texte oder die Verfasser neuer Schriften in diesen Ländern konnten sich von dem „Einflusse ihres heimatlichen Dialekts nicht freihalten, und so entstand ein serbisch, russisch u. s. w. gefärbtes K., im Gegensatz zu welchem man wohl die Texte, welche von allen solchen Beimischungen frei sind, altkirchenslawisch nennt. Heutzutage ist bei keinem slaw. Volke die Kirchensprache noch Schriftsprache, sie ist nur noch die gottesdienstliche „Sprache bei den Slawen des griech. Ritus. Das Altkirchenslawische ist von allen slaw. Sprachen die hatchotenien sowohl in Lauten wie in Formen, zhat daher für die wissenschaftliche Erforschung der law. Sprachen etwa dieselbe Bedeutung wie das Gotische für die der germanischen. Die handschriftnmliche Überlieferung von Texten geht zurück bis ins n10. 9301006 die Handschriften sind in zwei verschiedenen Alphabeten überliefert, in dem cyrillischen (griechisch-slawischen) und dem glagolitischen; das 3.chrillische Alphabet ist eine direkte Übertragung der griech. Majuskelschrift auf das Slawische mit ermißt, sind unter C aufzusuchen, Hinzufügung von neuen Zeichen für solche Laute, welche die griech. Sprache nicht besaß; die slaw. Lautbezeichnung entspricht dabei der griech. Aussprache des 9. Jahrh., weshalb z. B. b (beta) den Wert von v() hat. (S. Glagolica.) Besonderes Verdienst um die Erforschung des K. erwarben sich Dobrowsty (ss. d.), der russ. Gelehrte Vostokov (durch eine Grammatik, ein Wörterbuch, viele Einzelforschungen, Herausgabe des Ostromirschen Evängeliums u. a.), Kopitar (s. d.), Miklosich (s. d.), Schleicher, (Die Formenlehre der kirchenslaw. Sprachex, (Bonn 1852), Jagié (s. d., durch Ausgaben). Ein Hilfsmittel für akademische Vorlesungen ist Leskiens Handbuch der altbulgar. (altkirchenslaw.) Sprache. Grammatik. Texte. Glossary (Weim. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 297Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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