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GeschichteBrockhaus 1882

Kleist von Nollendorf (Friedr. Heinr. Ferd. Emil, Graf), preuß. Feldmarschall, geb. 9. April 1762 zu Berlin, wurde 1774 Page am Hofe des Prinzen Heinrich von Preußen und 1778 Infanterieoffizier im Regiment von Bülow, mit welchem er am Bayrischen Erbfolgekriege teilnahm. Er wurde später Adjutant des Feldmarschalls von Möllendorf, 1790 im Generalstabe angestellt, in welchem er als Hauptmann die Rheinfeldzüge mitmachte. Nachdem er einige Jahre lang ein Grenadierbataillon befehligt, war er 1803—7 vortragender Generaladjutant des Königs. Nach der Schlacht bei Auerstädt wurde er an Napoleon geschickt, um auf dessen Friedensvorschläge Entgegnungen zu überbringen. Ende 1808 erhielt er als Generalmajor das Kommando der niederschles. Brigade in Lertin a. O. und 1809 die Kommandantur von erlin. Im Kriege gegen Rußland 1812 befehligte er die Infanterie des preuß. Hilfskorps unter Vork, und bei Beginn des Feldzugs gegen Frankreich 1813 als Generallieutenant ein preuß.⸗russ. Korps, mit welchem er in der Nacht zum 17. April bei einem Versuche gegen Wittenberg ein rühmliches Gefecht bestand. Als das verbündete Heer bei Dresden die Elbe überschritten hatte, besetzte er den Saalübergang bei Halle. Er behauptete sich hier 28. April, zog sich aber am folgenden Tage über Schkeuditz zurück. Bei Bautzen verteidigte er 20. Mai mit geringen Kräften den Spreeübergang bei Burg so lange, bis Miloradowitsch Bautzen verlassen hatte. Als preuß. Bevollmächtigter schloß er sodann 4. Juni den Waffenstillstand zu Poischwitz ab. Nach Ablauf desselben befehligte K. das 2. preuß. Armeekorps, welches zum Hauptheere der Verbündeten in Böhmen stieß. In der Schlacht bei Dresden führte er die zweite Angriffskolonne. Auf dem Rückzuge marschierte er über den Kamm des Gebirges nach Nollendorf in den Rücken Vandammes und entschied 30. Aug. durch seinen Angriff die Schlacht bei Kulm, welche Böhmen und einen großen Teil des verbündeten Heers rettete. In der Schlacht bei Leipzig kämpfte er mit Glück auf dem linken Flügel des großen Heeres bei Markkleeberg. Dann blockierte er mit seinem Korps Erfurt, und als die franz. Besatzung sich in die Citadelle zurückgezogen hatte, folgte er dem Heere nach Frankreich, wo er bei Etoges 14. Febr. 1814 unter Blücher mitkämpfte. Der Sieg bei Laon 9. März wurde vornehmlich durch seinen und des Generals York Entschluß, den Feind am Abend zu überfallen, errungen. Nachdem die Wiedereinsetzung der Bourbons auf den franz. Rind ausgesprochen war, wurde K. namens der verbündeten Monarchen an Ludwig XVIII. nach England gesendet. Der König ernannte ihn zum General der Infanterie und erhob ihn 3. Juni 1814, mit einer Dotation (Domäne Stötterlingenburg bei Halberstadt), unter dem Namen K. von Nollendorf in den Grafenstand. Später erhielt er das Generalkommando des 4. Armeekorps (Magdeburg). Im J. 1821 zum Feldmarschall ernannt, zog er sich auf seine Güter zurück und starb 17. Febr. 1823 zu Berlin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 333Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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