Klimakterinm, s. Klimakterische Jahre. „Klimatische Kurorte, solche Orte, welche durch ihr Klima vermöge der besondern Beschaffenheit der Luft ung, Feuch deren Reinheit, Temperatur, Windrichtung, Feuchtigkeit und Druck auf den kranken Körper einen günstigen Einfluß ausüben. Während die dichte Luft der Tiefebene und Meeresküste eine beruhigende Wirkung äußert, regt die verdünnte Luft des Hochgebirges zu verstärktem Atmen an und beschleunigt zugleich den Ernährungsprozeß. Dabei kommt die Reinheit der Luft von Miasmen, Staub, Rauch u. dgl., sowie die vor scharfen Winden 3.Werhe Lage des Ortes in Betracht. Nach diesen erhältnissen unterscheidet man im allgemeinen: Kurorte im höhern Gebirge mit dünner, leichtflüssiger, trockener Atmosphäre (Alpenkurorte, inn Kurorte des Hügellandes und der Ebene mit reiner, durch die Vegetation mit reichem Gehalt an Ozon versehener Luft; Kurorte mit dichter, feuchter, kühler und ebenfalls ozonreicher Luft (Insel⸗ und Küstenklima); endlich am zweckmäß Win Winter⸗ und Sommerkurorte Unter den Winterkurorten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer geogr. Lage die Alpenkurorte der Schweiz: Montreux mit den naheliegenden Orten Vevey, Veytaux, Vernex u. s. w. am Genfersee; Bex im Rhönethale; Lugano, Bellinzona am Lago-Maggiore, auch Wäggis, Vitznau und Gersau am Vierwaldstättersee; im Hochgebirge (1—2000 m Höhe): Davos, Samaden, St. Moritz, Pontresina, Silvaplana, Rigi-Scheidegg, Engelberg, Zermatt; in der Mittelregion (500 — 1000 m) liegen Gais, Heiden, Heinrichsbad, Felsenegg, Selisberg, Axenstein, Schöneck, Albisbrunnen. In den österr. Alpen steht Meran mit Ober⸗ und Untermais obenan, dann folgen Bozen und Gries, auch Arco; im Hochgebirge Tirols Bormio und in Steiermark Aussee. An diese Winterkurorte reiht sich das in einem Hochthale der schles. Sudeten liegende Görbersdorf. Als Stationen mit feuchterer, gleichmäßig warmer Luft können zahlreiche Plätze am Mittelmeerbecken bezeichnet werden, die Küste der Provence und die Riviera di Ponente mit Hyeères, Nizza, San-Remo und Mentone, hread Cannes und Ajaccio (auf Corsica); und während man früher häufiger als jetzt nach Venedig, Rom, Pisa und Neapel ging, werden neuerdings Palermo und Catania bevorzugt und bieten sich weiterhin Lissa, die Balearen-Gruppe und Malta dar. Klimatische Winterkurorte ersten Ranges sind ferner Algier, Kairo (mit der Nilfahrt) und Madeira. Doch auch in Mitteleuropa finden sich einige für den Winteraufenthalt geeignete Orte: die Küstenstationen Englands Iendie An Clifton, Salcombe, Torquay etc.), vor allen die Insel Wight mit dem Städtchen Ventnor am Undercliff; ferner die Stationen der südfranz. Ebene: Pau, Arcachon und Montpellier; auch einige Orte Süd⸗ und Mitteldeutschlands mit mildem Winter: Baden-Baden, Heidelberg, Cannstatt, Homburg und Wiesbaden. Als Sommerkurorte sind, abgesehen von den Stationen der Meeresküste mit ihrer erfrischenden und nervenkräftigenden Seeluft, die Alpen mit ihrer reinen Atmosphäre in erste Linie zu stellen. Den Vorzügen der Lage nach lassen sich in den schweizer Alpen d.ronder Regionen unterscheiden: 1) Berglehne, besonders in der mittlern Erhebung von 1200 m, z. B. Beatenberg bei Interlaken, Churwalden; 2) Seeufer (die Orte am Bodensee, Wallensee, Zürichersee, Vierwaldstättersee, Thunersee); 3) Thal und tiefliegendes Binnenland (Rheinthal, Altstätten, Sargans, Thusis, Olten, Bern); 4) in Bergthälern (900 —1000 m) liegen Engelberg, Axenstein, Weißbad, Gais, Selisberg, Sonnenberg am Pilatus, Pfäffers, Fideris, Klosters, Le Prese im Veltlin, Glion oberhalb Montreux u. s. w.; 5) Ortschaften in Hochthälern (15— 1600 m) sind Davos, Sils, Pontresina, St. Moritz, Silvaplana, Samaden, Tarasp, Bormio, Maderanerthal, die Rigi-Kurorte u. s. w. Die Tiroler Alpen bieten: Achensee, Umhausen im Otzthal, Zell im Zillerthal, Stertzing am Brenner, die Umgegend von Innsbruck, das hochgelegene Pusterthal mit Niederndorf und Brunnecken, die meraner Umgegend u. s. w.; die Steirischen Alpen: Graz, Marburg, Cilli und Neuhaus, Römerbad, Tüffer, Admont und Aussee; das Salzkammergut: Ischl, Gmunden, Gastein, weiterhin Fusch. Die wiener Gegend hat als Sommerfrischen Baden, Vöslau, Reichenau etc.; die Rheingegend: Remagen, Godesberg, Oberwesel, Bingen; die Neckargegend: Heidelberg, Cannstatt; der Schwarzwal d: die Renchthalbäder, Wiesau, Herrenalb, Petersthal, Badenweiler, Antogast, Rippoldsau, Triberg, St. Blasien. In Bayern: Reichenhall, Berchtesgaden, Tegern⸗, Chiem⸗ und Kochelsee, ißt, sind unter E aufzusuchen. Partenkirchen, Obersdorf; in Oberfranken und Fichtelgebirge: Berneck, Muggendorf, Streitberg, Wiesau, Alexanderbad. Am Taunus: Schlangenbad, Soden, Homburg, Schwalbach, Falkenstein. In den Sudeten: Warmbrunn, Cudowa, Charlottenbrunn, Flinsberg, 200.. In Thüringen: Kösen, Köstritz, Berka, Rudolstadt, Blankenburg, Schwarzburg, Ilmenau, Elgersburg, Liebenstein, Friedrichroda u. s. w. Im Harz: Alexisbad, Harzburg, Gernrode, Thale, Grund, Blankenburg und Wernigerode. Bei Kassel: Wilhelmshöhe. In Sachsen: Lößnitz, Loschwitz, Blasewitz und Zschachwitz bei Dresden, Pillnitz, Königstein, Wehlen, Schandau, Bad Elster, Ottenstein, Olbernhau, Wolkenstein, Wiesenbad, Reiboldsgrün. Die richtige Auswahl des für den einzelnen Fall passenden Kurorts kann nur unter Berücksichtigung der Lokalverhältnisse, der Krankheitsform und der Individualität getroffen werden und erfordert eine gründliche Kenntnis der klimatischen Verhältnisse, deren Erforschung und Verwertung für die Heilkunde Aufgabe und Ziel der Klimatotherapie ist. Im allgemeinen paßt für Rekonvalescenten von schweren Krankheiten im Sommer ein Platz im Harz, Thüringerwald, Schwarzwald oder Oberbayern, im Winter der Südabhang der tiroler und schweizer Alpen. Bei Blutarmut wählt man mit Vorteil Engelberg, Grindelwald, Selisberg, Engadin in der Schweiz, doch auch mehrere Orte Deutschlands mit Stahlwässern (Schwalbach, Liebenstein u. s. w.). Für Rheuma und Gicht eignen sich: Baden-Baden und Wiesbaden zu jeder Jahreszeit, im Winter Palermo, Oberägypten, Madeira. Herzfehlerkranke befinden sich am wohlsten während des Sommers in einer Sommerfrische Deutschlands, auf der Insel Wight oder an der Küste der Nordsee, im Herbst zu Montreur oder Meran, im Winter an der Riviera di Ponente, zu Pisa, Pau oder Palermo. Chronischer Magen- und Darmkatarrh findet Besserung zur Sommerzeit in geschützten Gebirgsthälern (Interlaken, Gais, Weisbad, Partenkirchen), Baden-Baden oder an der Nordsee, im Winter an einer Station des Mittelmeers. Für Nierenleiden (Brightsches) werden empfohlen im Sommer Wiesbaden, Baden-Baden, Meran, im Winter Kairo, Mentone, San-Remo, Palermo, Neapel, Ajaccio. An Neuralgien Leidende finden Linderung der Schmerzen im Sommer und Herbst auf einer Nordsee-Insel oder an einem Küstenplatze Südenglands; bei Lähmungen wirkt der Aufenthalt in Ragatz, Rirenl Gastein oder Bormio günstig. Langwieriger Kehlkopf⸗ und Luftröhrenkatarrh ohne Auswurf (sog. trockene Somm erfordert die Luftkur für den Winter und Sommer in Madeira, bei reichlichem Auswurf wählt man die Riviera oder Agypten. Die Beschwerden bei Luftröhrenerweiterung vermindern sich bei ruhigem Aufenthalt im Frühjahr und Herbst an Orten wie Kreuth und Partenkirchen, in den Nadelwäldern Thüringens, des Harzes, Schwarzwaldes und an Gradierwerken. Das Lungenemphysem (mit asthmatischen Beschwerden) erfordert im Hochsommer die Südküste Englands, die Nordseeküste, im Frühjahr und Herbst die Nadelholzthäler Deutschlands, Gersau, Arco, Montreux oder Pau; im Winter Ajaccio, Lissa. Für beginnende Tuberkulose (Lungenphthisis) sind klimatische Kuren von der allergrößten Bedeutung; auch kann man dem Weitergreifen chronisch-entzündlicher Zustände in den Lungen durch eine solche Kur Grenzen setzen, solange sich dieselben nur noch als sog. Lungenspitzenkatarrh bemerklich machen. Hier paßt vor allen im Sommer und Winter eine Station im Hochgebirge (Davos, St. Moritz, Samaden), im Cocberl eins der windgeschützten Alpenthäler, im Spätherbst Meran u. s. w. Für gewisse Formen dieser Krankheit, insbesondere wenn die Ernährung des Körpers schon stärker geschädigt ist, muß man niedrigere Plätze (Cannes, Mentone, San-Remo u. a.) suchen, auch kann ein auf ein bis zwei Jahre ausgedehnter Aufenthalt in Agypten oder Madeira das Fortschreiten des Leidens verhüten. Die Lungenleidenden, die dem rauhen Klima der Heimat nicht zu entfliehen vermögen, sind genötigt, einen Respirator zu tragen, sich auch wohl einer Pneumatischen Kuro (s. Komprimierte Luft) zu unterwerfen, oder schließlich durch eine regelmäßige Atemübung, Atemgymnastik (Bewegungs⸗ und Atmungskur, Atmiatrie nach P. Niemeyer, Zimmergymnastik nach Schreber) unter Vermeidung ungünstiger Witterungsverhältnisse und unter dem Gebrauche der «Hanteln» die Brustorgane in normale Thätigkeit zu versetzen. Litteratur. Rhoden, «Die chronische Lungenschwindsucht und ihre Aussichten auf Heilung an Kurorteno (Elberf. 1867); Meyer-Ahrens, (Die Heilquellen und Kurorte der Schweiz u. s. w. (2. Aufl., Zür. 1867); Schneider, «über Luftkuren und klimatische Kurorteß (Münch. 1867); Gsell-Fels und Berlepsch, «Südfrankreich und seine Kurortey turorrent⸗ 1868); Reimer, «Klimatische Winterurortey (2. Aufl., Berl. 1873); Biermann, Klimat. Kurorte und ihre Indikationen » (Lpz. 1872); Sigmund Ritter von Ilanor, «Südl. klimatische Kurortey (3. Aufl., Wien 1874); Michaelis, Die Bayrischen Alpen als klimatischer Kurorto (Dresd. 1875); Gsell-Fels, «Südfrankreich und die Kurorte der Riviera di Ponentev (Lpz. 1875); Schreiber, «über das Wesen klimatischer Kuren bei Lungenkrankheiten (Wien 1876); Feierabend, «Die klimatischen Kurorte der Schweizo (2. durch Nachtrag vermehrte Ausg., Wien 1876); Schulze, «Die klimatischen Sommerkurorte der Riviera, Mittel⸗ und Unteritalienso (Frankfurt a. M. 1876); Reimer, «Klimat. Sommerkurortey (Berl. 1877); Gsell-Fels, „Die Bäder und klimat. Kurorte der Schweizy (Zür. 1880); derselbe, Die Bäder und klimat. Kurorte Deutschlandso (Zür. 1884); (Bäder und Sommerfrischend (Lpz. 1882); Peters, «Die klimat. Winterkurorte Centraleuropas und Italienso (Lpz. 1880); Flechsig, Bäderlexikon» (Lpz. 18839).