Knaus (Ludw.), ausgezeichneter Genremaler, geb. in Wiesbaden 5. Okt. 1829, bezog mit 16 Jahren die Akademie zu Düsseldorf, wo er speziell als Schüler C. Sohns und W. Schadows seine Studien begann, und ging 1852 nach Paris, wo er acht Jahre lang blieb. Die intime Lebensbeobachtung und elegante Technik der Franzosen verband K. in der Folge mit der Wahrheit und Innigkeit deutscher Empfindung in einem Grade, welcher seinen Schöpfungen einen ganz eigentümlichen Charakter gab. In jedem neuen Gemälde kam derselbe immer vollendeter zum Ausdruck, sodaß seine Kompositionen bald die erklärten Lieblinge nicht nur des deutschen, sondern des europ. Publikums wurden. Im J. 1858 begründete er seinen Ruhm durch die Goldene Hochzeit, ein Charakterbild des mitteldeutschen Bauerntums; gleichen Erfolg hatte die Taufe (1859) und der Auszug zum Tanz (1861). Nachdem K. 1861—66 in Berlin gelebt hatte, kehrte er nach Düsseldorf zurück. Bis 1872 entstanden dort unter anderm: der Invalid (1865), das Leichenbegängnis im Dorfe (1871), eine seiner ergreifendsten Darstellungen, sodann die Hauensteiner (1872), eine Versammlung alter Bauern, welche in wichtiger Beratung über Gemeindeangelegenheiten vertieft die ganze Kraft, Verschlagenheit und Zähigkeit ihres Standes in klassischen Charaktertypen vertreten, endlich das Kinderfest (wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen) in der Nationalgalerie in Berlin, eine Schilderung des geselligen Familienlebens des 18. Jahrh. voll Humor und frischestem Leben. Im J. 1874 siedelte der Künstler nach Berlin über und übernahm hier die Leitung eines der an der Akademie neubegründeten Meisterateliers. Eins seiner bedeutendsten Bilder aus neuerer mißt, sind unter E aufzusuchen. Zeit (1876) ist die heilige Familie auf der Flucht von Engeln bedient, eine Art Apotheose der Kinderwelt, in welcher er die Poesie des Mutterglücks verherrlicht. Ferner sind hervorzuheben: die Wirtshausseene: auf schlechten Wegen, Salomonische Weisheit lein alter Trödler, der seine Enkel in die Geheimnisse des Kleiderhandels einweiht), hinter den Coulissen, auf der Walstatt u. s. w. K. beherrscht und verdolmetscht die ganze Skala menschlicher Empfindungen mit einer Wahrhaftigkeit und Tiefe der Auffassung, einem Adel und Geschmack der Charakteristik und des Kolorits, welche ihn den größten Meistern seines Fachs würdig an die Seite stellen. Außer den Genrestoffen behandelt er das Porträt, namentlich im kleinern Maßstabe, mit bewunderungswürdiger Meisterschaft.