FeedKnecht Ruprecht
ReligionBrockhaus 1882

Knecht Ruprecht, eine der Gestalten, in welchen ursprünglich heidnische Anschauung in die Gegenwart übergegangen ist. In einigen Gegenden zieht zur Adventszeit der heil. Christ, begleitet von Nikolaus, Petrus, einem Engel und dem Knechte Ruprecht von Haus zu Haus, erkundigt sich nach der Aufführung der Kinder und beschenkt sie mit Nüssen, während der geschwärzte und in Pelz gehüllte Ruprecht mit der Rute droht. Der letztere ist nur die zurückgedrängte Gestalt des ruhmglänzenden (= hruodperaht) Gottes, also Wodans. Dessen Stelle nimmt auch der heil. Nikolaus (Claus, Klages, Busseklages) ein. Er und Knecht Ruprecht bedeuten im Grunde dieselbe Personifikation. In Tirol kommt in der Nacht vom 5. zum 6. Dez. der heil. Nikolaus und legt den Kindern allerlei Gaben ein; am Nikolausabend geht der Klaubauf um und nimmt die bösen Kinder in seinen Korb. Eine ähnliche Gestalt ist ebenso der Pelzmartl, eine früher in ganz Bayern übliche Erscheinung des heil. Martin; in Schwaben kommt zu Weihnachten noch heute der Pelzmärte, in Österreichisch-Schlesien St. Martin auf einem Schimmel und bringt den Kindern Geschenke, darunter stets ein Gebäck, das sog. Martinshörnl. Auch er bedeutet ursprünglich Wodan.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 364Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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