FeedKoch (Robert)
HeilkundeBrockhaus 1882

Koch (Robert), namhafter Mediziner, geb. 11. Dez. 1843 zu Clausthal als Sohn eines höhern Bergbeamten, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte 1862—66 zu Göttingen Medizin, wurde sodann Assistent am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg und ließ sich 1866 in Langenhagen bei Hannover, bald darauf in Rackwitz in der Provinz Posen als praktischer Arzt nieder. Im J. 1872 erhielt er die Stelle eines Physikus in Wollstein im Kreise Bomst, welche er bis 1880 verwaltete. Während dieser Zeit stellte er eine Reihe von bacteriologischen Forschungen über Wundinfektion, Septicämie und Milzbrand an, die großes Aufsehen erregten und 1880 seine Berufung als ordentl. Mitglied in das Reichsgesundheitsamt zur Folge hatten. Im J. 1882 veröffentlichte er seine epochemachenden Untersuchungen über die Natur und Ursache der Tuberkulose, in denen er zuerst den unumstößlichen experimentellen Nachweis führte, daß kleinste mikrostopische Organismen aus der Klasse der Bacterien, die sog. Tuberkelbacillen, die wahren Krankheitserreger dieser verheerenden Krankheit sind. Vermittels scharfsinniger Verbesserungen der mikroskopischen Technik und eigentümlicher mißt, sind unter C aufzusuchen. 25* künstlicher Färbemethoden der mikroskopischen Objekte gelang es K., nicht nur die überaus zarten Tuberkelbacillen aufzufinden, sondern sie auch außerhalb des Tierkörpers in reiner Kultur zu züchten, und mit den Produkten dieser Züchtung auf künstlichem Nährboden nach Belieben bei jedem Versuchstier wiederum Tuberkulose hervorzurufen; in den Organen dieser experimentell tuberkulös gewordenen Tiere fanden sich regelmäßig die spezifischen Tuberkelbacillen vor. Infolge dieser Entdeckung wurde K. vom Kaiser zum Geh. Regierungsrat ernannt und 1883 als Leiter der deutschen Cholera-Expedition nach Agypten und Indien entsendet. Die Frucht dieser Expedition war die Entdeckung der Kommabacillen (s. d.) als der eigentlichen Träger des Choleragiftes. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1884 wurde er seitens des Reichs durch eine Dotation von 100000 Mark ausgezeichnet und als Cholerakommissar nach Frankreich geschickt. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: „Zur Ätiologie des Milzbrandesd (1876), Inrenonetrannhe über die Ätiologie der Wundinfektionskrankheiten » (Lpz. 1878; auf Listers Veranlassung auch in das Englische übersetzt), «über die Milzbrandimpfung » (Berl. u. Kassel 1882), Beitrag zur Atiologie der Tuberkulose (in der „Berliner klinischen Wochenschrifto, Jahrg. 1882), sowie zahlreiche Abhandlungen in den Mitteilungen aus dem kaiserl. Gesundheitsamtv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 387Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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