Kolibri (Lrochilus) ist der Name einer Gattung meist sehr kleiner, zu den Langhändern (s. d.) gehöriger Vögel, welche seit der Entdeckung Amerikas, ihres ausschließlichen Vaterlandes, stets Gegenstand allgemeiner Bewunderung blieben wegen der Pracht und des Glanzes der Farben, mit denen vorzugsweise Stirn, Hals und Brust des Männchens geschmückt sind. Ihr Schnabel ist länger als der Kopf, gerade oder schwach gebogen und röhrenförmig, indem der Oberkiefer mit seinen Rändern den Unterkiefer umfaßt. Die sehr lange und vorn in zwei fadenförmige Spitzen gespaltene Zunge kann, wie beim Specht, mit großer Kraft hervorgeschnellt werden, und die sehr langen, zugespitzten, schmalen Tulte machen das schnellste Durchschneiden der uft in gerader Linie möglich. Die Füße sind sehr klein, aber die Zehen mit langen Krallen bewaffnet. Man kennt bereits an 390 Arten mit Sicherheit, von denen eine die Länge von 20 em erreicht, alle übrigen aber bedeutend kleiner sind. Am kleinsten ist der Fliegenvogel oder Mückenvogel (T. minimus), der nur 35 mm lang und 1,2 g schwer ist. Die K. schießen mit solcher Schnelligkeit dahin, daß sie nur das schnurrende Geräusch ihrer Flügel und das im Sonnenschein funkenartig erglänzende Gefieder auf einen Augenblick erkennbar macht. Unermüdlich vom frühen Morgen an sind sie in Bewegung, indem sie blitzschnell von Blume zu Blume fliegen. Zugleich erfassen sie ihre Nahrung, welche aus den kleinen, in die Blüten eingedrungenen Insekten besteht. Nur selten ruhen sie auf einige Sekunden auf einem dünnen Ästchen oder auf dem Rande der Blumen selbst. So klein sie sind, so viel Leidenschaft und Keckheit entwickeln sie; denn nicht nur sind sie unter sich häufig in Kämpfen begriffen, welchen man kaum mit dem Auge folgen kann, sondern sie verteidigen auch mutig sich und ihre Jungen gegen weit größere Vögel; eine andere sehr kleine Art aus Mexiko und Californien ist J. Annae Lesson (Tafel: Kolibris, Fig. 3). Nicht alle K. sind tropisch. Der gemeine oder Ru binkolibri (T. colhubris) kommt im Sommer in Canada vor, und King beobachtete zahlreiche K. zwischen Schneegestöber, welches nicht selten die Sommertage des rauhen Feuerland unterbricht. Den rmißt, sind unter C aufzusuchen. Kragenkolibri (T. selasphorus) traf Cook noch am Nutkasunde und Kotzebue sogar bis zu nördl. Br. Beim Adlerschnabel (T. aquila Bourcier, Fig. 9) ist der Schnabel nach unten, beim verkehrtschnäbeligen K. (T. recurvirostris ., Fig. 4) nach oben gebogen. Von Arten, deren Männchen besondern Federschmuck aufweisen, verdient hervorgehoben zu werden der behoste Kupferbauch (I. cupreoventris Fraser, Fig. 8) mit weißen Federhöschen, der Engelkolibri (T. Angelus Bon aparte, Fig. 5) mit einer smaragdfarbenen Federhaube, der reizende, geschmückte K. (T. magnificus Viellot, Fig. 7), der weißscheitelige (T. albocoronatus Goνμιd, Fig. 6). Bei manchen zeigen namentlich auch die Schwanzfedern mannigfache Modifikationen in Form und Farbe, so beim gehörnten K. (T. cornutus Med., Fig. 1) und beim Duponts-K. (TJ. Duponti Lesson, Fig. 2). Die Nester der K. sind sehr sorgfältig aus Pflanzenwolle, den Fruchtkernen der Kompositen u. dgl. verfertigt und außen mit Stückchen von Baumflechten und Moos tapeziert. Die Eier, gewöhnlich zwei in einem Neste, sind allerdings bei dem Fliegenvogel nur erbsengroß, sonst aber nicht so gar klein und zuweilen bis 1,6 em lang. Südamerikanische K. sind schon lebend nach England und Frankreich gebracht worden, wo sie aber immer nur einige Wochen am Leben blieben. Bälge, die ausgestopft als Zimmerzierat oder Schmuck auf Damenhüten dienen, erhält man aus Brasilien. Abgebildet sind viele Arten in dem Prachtwerke von Lesson: Histoire naturelle de oiseaux-mouches et des colibriso (Par. 1829). Vgl. noch Mulsant und ou colibriso (2 Bde., Lyon 1876), und Gould, monograph of the Trochilidaes (Lond. 1850—59).