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ErdkundeBrockhaus 1882

Kollin, richtiger Kolin (czech. Kolin Novz), Stadt im gleichnamigen böhm. Bezirk, 54 km östlich von Prag, an der Elbe und an der Kreuzung der Osterreichischen Staats⸗ und der Nordwestbahn gelegen, hat meist schön gebaute Häuser, eine sehenswerte Dechantkirche, ein Kapuzinerkloster, ein Rathaus, ein Schloß, ein Real-Obergymnasium, eine Hauptschule, eine höhere Töchterschule, eine Gewerbeschule, zwei (die Umgegend außerdem noch zehn) Zuckerfabriken, eine Düngerfabrik, zwei Dampfmühlen, zwei Olfabriken, drei Zuckerformenfabriken, eine Sirupfabrik und zwei Spiritusfabriken und zählt (1880) 12 485 C. Die Stadt wurde besonders berühmt durch die Schlacht bei Prag 16 Wa. datte 1757). Nach der Schlacht bei Prag (6. Mai) hatte Friedrich II. den Prinzen Karl von Lothringen mit einem bedeutenden Teile der Armee (44000 Mann) in Prag eingeschlossen und diese Stadt beschossen. Unterdes hatte Daun sich auf 53 790 Mann verstärkt und zeigte die Absicht, Prag zu entsetzen. Der König begab sich daher mit acht Bataillonen und sechs Schwadronen zu dem Korps des Herzogs von Bevern und brach 17. Juni mit 34000 Mann gegen Daun auf, welcher in einer starken Stellung auf den Höhen bei K. lagerte. In der Front war dieselbe nicht zu nehmen; der König beschloß daher, den rechten Flügel anzugreifen. Am 18. stand die österr. Armee in Schlachtordnung: der rechte Flügel gegen Krezezor, Nadasdys Kavallerie dort senseit eines tiefen Grundes, neben dem sich drei Regimenter sächs. leichter Reiter und 1000 Mann österr. Kürassiere, einige Infanterie aber im vorliegenden Eichwalde aufgestellt hatten. Der König ließ um 1 Uhr seine Armee links marschieren. General Hülsen nahm Krezezor, Zieten warf mit 80 Schwadronen Nadasdy. Da ließ der König gegen seine ursprüngliche Disposition die Armee aufmarschieren, statt noch weiter links zu n. und erhielt dadurch doch eine fast parallele Stellung zum Feinde. Daun verstärkte seinen rechten Flügel, gegen welchen Friedrich nun seinen linken vorrücken, zugleich aber links ziehen ließ. Auch der Eichbusch wurde von Hülsen genommen, bald darauf mit Prinz Moritz von Dessau vereint die danebenstehende Batterie; Zieten warf Nadasdy, der gegen ihn vorrückte, zum zweiten mal. Auf dem rechten Flügel griff aber General Manstein, von den Kroaten belästigt .n. an. Hierauf führte der sächs. Oberst Benkendor sein Regiment Prinz Karl zum Angriff, da erbeim Feinde eine infolge des Linksziehens entstandene Lücke bemerkte. In diese stürzte er, die andern sächs. Regimenter und ein österreichisches folgten ihm. Die Preußen, welche hier schon lange im Feuer gestanden hatten, waren erschöpft; 14 Bataillone erlagen. Daun ließ nun den ganzen rechten Flügel vorgehen. Nadasdy wurde zwar von Zieten zum dritten mal in großer Unordnung geworfen, aber die Niederlage der Preußen war entschieden. Die nächste Folge derselben war die Aufhebung der Belagerung von Prag und die Räumung Böhmens.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 413Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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