FeedKonrad III.
GeschichteBrockhaus 1882

Konrad III., König der Deutschen (1138—52), der erste aus dem Hause der Hohenstaufen, ein Sohn Friedrichs von Schwaben und einer Tochter König Heinrichs IV., geb. 1093, durch Heinrich V. zum Herzog von Franken ernannt, wurde nach Lothars (s. d.) Tode (1137) von den rhein. Fürsten in unrechtmäßiger Weise, vor festgesetztem Termin, zu Koblenz 7. März 1138 gewählt und von dem päpstl. Legaten am 13. März zu Aachen gekrönt. Kaum 20 J. alt, hatte er im Verein mit seinem Bruder Friedrich von Schwaben dem Kaiser Heinrich V. gegen seine Feinde tapfer beigestanden, war dann nach seiner Rückkehr von einer Wallfahrt ins Gelobte Land als Gegenkönig des von der welfischen Partei gewählten Kaisers Lothar aufgetreten und hatte zu Monza 1128 sich zum König von Italien krönen lassen; doch mußte er gleich seinem Bruder endlich zu Mühlhausen dem Kaiser sich unterwerfen. Seine Tapferkeit, seine Mäßigung und Milde, vorzüglich aber die Furcht der deutschen Fürsten vor der übermacht des welfischen Hauses vermochten diese, der Wahl der Minderzahl zuzustimmen, mit übergehung Herzog Heinrichs des Stolzen von Bayern und Sachsen, der die deutsche Königskrone durch Erbrecht und Verdienst bereits als die seinige ansah. Heinrich mußte die Reichsinsignien, in deren Besitz er sich gesetzt hatte, ausliefern und wurde bald darauf von K., dem dessen übermacht für die Ruhe des Reichs gefährlich schien, aufgefordert, eins der beiden Herzogtümer abzugeben, weil es gegen die Reichssatzungen sei, daß ein Fürst zwei Herzogtümer besitze. Da Heinrich sich weigerte, so sprach der Kaiser die Acht über ihn aus und gab Sachsen an Albrecht von Askanien, Bayern an Markgraf Leopold von Esterreich. Heinrich behauptete sich zwar in Sachsen, dagegen mußte er Bayern dem Feinde überlassen. Als er bald darauf 1139 zu Quedlinburg starb, erhielt sein unmündiger Sohn, Heinrich der Löwe, 1142 das Herzogtum Sachsen zurück, das Albrecht wieder abtreten mußte. Welf VI., des verstorbenen Heinrich Bruder, der das Herzogtum Bayern für sich selbst beanspruchte, setzte den Krieg gegen den Markgrafen von Ssterreich und die Hohenstaufen auf eigene Hand fort, wurde jedoch, als er zum Entsatz der von den beiden hohenstauf. Brüdern K. und Friedrich belagerten welfischen Stadt Weinsberg heranzog, geschlagen und Weinsberg 20. Dez. 1140 genommen. Als Leopold von Ssterreich 1141 starb, ward Bayern mit der Mark Ssterreich an Leopolds Bruder, Heinrich Jasomirgott, verliehen. Als die Kunde von dem Verlust Edessas (1144) nach Europa gelangte, entschloß sich K., von dem Abt Bernhard von Clairvaux ermahnt, einen Kreuzzug nach Palästina zu unternehmen. Um durch seine Abwesenheit die Angelegenheiten des Reichs nicht zu gefährden, ließ er seinen minderjährigen Sohn Heinrich zum König wählen, übertrug ihm unter Leitung des Erzbischofs Heinrich von Mainz die Reichsregierung, legte seine Fehde mit Welf VI., der selbst mitzog, bei und ließ einen allgemeinen Landfrieden beschwören. Dann trat er 1147 mit einem Heere von 70000 Mann, in Begleitung vieler Fürsten und Bischöfe, durch Ungarn über Konstantinopel den Kreuzzug an, von dem er mit Verlust seines Heers unverrichteter Sache 1148 wieder heimkehrte. (S. Kreuzzüge.) Vor ihm schon war der Herzog Welf VI. nach Deutschland zurückgeeilt und hatte hier im Vertrauen auf sein unterwegs mit Roger II. von Sicilien geschlossenes Bündnis die Feindseligkeiten gegen den Kaiser erneuert, wurde aber von dem jungen König Heinrich in mißt, sind unter C aufzusuchen. einem überfalle bei Flochberg 1150 besiegt und konnte bloß durch Vermittelung Friedrichs von Schwaben günstige Friedensbedingungen erlangen. Auch Heinrich der Löwe trat jetzt auf und machte seine Ansprüche auf Bayern wieder geltend. Zu gleicher Zeit wendete sich Kis Schwager, der poln. Herzog Wladislaw, um Hilfe gegen seine Brüder, die ihn aus dem Lande vertrieben hatten, an ihn. Mitten in den Rüstungen zu seinem Krönungszuge nach Italien aber starb K. zu Bamberg 15. Febr. 1152. Da 1150 sein Sohn, der röm. König Heinrich, gestorben und sein zweiter Sohn, Friedrich, erst sieben Jahre alt war, so hatte K. seinen Vetter, Herzog Friedrich III. von Schwaben, zur Nachfolge bestimmt. (S. Friedrich J.) K. war ein Fürst mit Kriegsmut und Gewandtheit des Verstandes begabt und, obgleich ohne eigene gelehrte Bildung, ein Freund der Wissenschaften. Aber trotz seiner persönlichen Tüchtigkeit brachte er es nie zu einer wirklichen Königsgewalt infolge des wiederholten Abweichens von der Erbfolge durch Übergang zu einem andern Fürstengeschlecht. Vgl. Jaffé, 4 Geschichte des Deutschen Reichs unter K. III. (Hannov. 1845); Giesebrecht, «Geschichte der deutschen Kaiserzeit‘ (Bd. 4, Braunschw. 1875); Bernhardi, «K. III.v (2 Bde., Lpz. 1883). Kounrad IV., der zweite Sohn Kaiser Friedrichs II. (s. d.), geb. 25. (oder 27.) April 1228 zu Andria, war schon 1237 zu Speier an der Stelle seines abgesetzten Bruders Heinrich VII. (s. d.) von den deutschen Fürsten zum König gewählt und führte bei des Kaisers fortdauernder Abwesenheit in Italien die Regierung in Deutschland. Nachdem er seinem Vater 1238 deutsche Truppen nach Italien zur Verstärkung zugeführt hatte, hielt er im Juni 1239, nachdem von neuem der Bann gegen den Kaiser ausgesprochen war, zu Eger einen Reichstag, wo die Fürsten, auch die Bischöfe, mit Ausnahme des Königs von Böhmen und des Herzogs von Bayern, sich für den Kaiser erklärten und zunächst eine Vermittelung beim Papst versuchten. Als 1241 die Mongolen Deutschland bedrohten, sammelte K. ein Reichsheer bei Eßlingen, das aber wegen des Abzugs der Mongolen nicht zur Thätigkeit kam. Als diese Gefahr vorüber war, fanden die Sendboten des Papstes mehr Gehör; der Erzbischof von Mainz begann den Bürgerkrieg und 1246 wurde der Landgraf Heinrich Raspe (s. d.) von Thüringen zum Gegenkönig gewählt und mit päpstl. Geldern unterstützt. K. verlor 5. Aug. eine Schlacht bei Frankfurt durch Verrat, aber schon 16. Febr. 1247 starb Heinrich Raspe. Statt seiner wurde 3. Okt. Graf Wilhelm von Holland gewählt, der K. 1251 bei Oppenheim zum Rückzug nötigte. Unterdes war 1250 Friedrich II. in Italien gestorben, und K. gab den Kampf in Deutschland vorläufig auf, um sein sicil. Erbreich zu retten. Mit Unterstützung seines Bruders Manfred (s. d.) unterwarf er sich dieses und eroberte im Okt. 1253 Neapel. Aber schon am 21. Mai 1254 starb er, erst 26 J. alt, im Lager bei Lavello. Seinen einzigen zweijährigen Sohn Konradin (s. d.), welchen er in Deutschland hinterließ, hatte er niemals gesehen. Vgl. Schirrmacher, KDie letzten Hohenstaufenp (Gött. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 480Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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